Kinderarmut, Europas älteste Bevölkerung und der Fachkräftemangel – Wachstumsbremse Nummer 1

Gepostet am 16. Januar 2014 in Blog, Meine Meinung

Die Schlagzeilen der letzten Tage lassen nur einen Schluss zu: Wachstumsbremse Nummer eins, größtes Risiko, größte Hausforderung und Hauptproblem: der F A C H K R Ä F T E M A N G E L. Die Beweise Belege sind erdrückend.

16.01.2014 „Industrie– und Handelskammer und Wirtschaftsjunioren sehen im Fachkräftemangel die größte Herausforderung“ Vom Fachkräftemangel ist immer öfter die Rede: Was es wirklich bedeutet,… ist noch wenigen bewusst.“

16.01.2014 “ Themen für das künftige Parlament der Wirtschaft stehen schon fest: Fachkräftemangel

15.01.2014 „Fachkräftemangel das Hauptproblem. Betriebe müssen sensibler werden für den Fachkräftemangel.“

15.01.2014 „Baubranche beklagt Fachkräftemangel

15.01.2014 „Fachkräftemangel ist größtes Risiko für Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft“. „Risikofaktoren, die unser Wirtschaftswachstum gefährden“, betont Christian Wewezow, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland. 65 % der Befragten nennen den Fachkräftemangel. „Mit welchem Abstand der Fachkräftemangel hier den Spitzenplatz eingenommen hat, spricht Bände… Sonst wird der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren zur Wachstumsbremse Nummer eins werden“, warnt Wewezow.

15.01.2014 „Unternehmen die Chance eröffnen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftebedarf prägen die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.“

14.01.2014 „Der Fachkräftemangel wird für Firmen zunehmend zu einem Problem in vielen Bereichen.“

14.01.2014 „Umfrage: Fachkräftemangel ist größtes Risiko für Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft“

14.01.2014 „Er kommt, der Fachkräftemangel. In 10 Jahren sind wir bei ungefähr 30 Prozent Fachkräftemangel.“ Horst Gabriel, Unternehmer und Vorsitzender Arbeitgeberverband Solingen im TV Lokalzeit Bergisches Land

13.01. 2014 „Fachkräftemangel in Stuttgart. Kaum ein Thema beschäftigt die Wirtschaft in der Region Stuttgart momentan mehr als der drohende Fachkräftemangel“

13.01.2014 „Agenturchef warnt vor Fachkräftemangel„. 25 Prozent der Stellen… konnten nicht vergeben werden, weil es an Fachkräften mangelte. Bei kleinen Unternehmen seien es sogar 40 Prozent. Wir haben in Sachsen-Anhalt einen Fachkräfte-Engpass. Daraus wird in nächster Zeit ein Mangel“

12.01.2014 „Fachkräftemangel…, das machten alle Redner klar, ist noch immer die Hauptsorge des hiesigen Handwerks.“

Fühle ich mich niedergerungen, erdrückt und erschlagen? Läuft mein Buch „Mythos Fachkräftemangel“ komplett ins Leere? Bereits 1984 gab es die ersten Schlagzeilen zum Fachkräftemangel. „Fachkräftemangel beginnt Anfang der Siebziger„, behauptet Carsten Große Starmann 2013. Der Demografie-Experte der Bertelsmann-Stiftung erwartet „gravierende Folgen des Bevölkerungsrückgangs für den Arbeitsmarkt“.

Ich stimme ihm sogar sofort zu. Da kommt was auf uns zu. Das hat noch keiner von uns begriffen, so GROSS und gewaltig kann die Veränderung werden. Deutschland ist schon jetzt Schlusslicht in der EU: In nur 23 Prozent der deutschen Haushalte lebten 2011 Kinder. Welch ein Armutszeugnis. Und Deutschland leidet nicht nur unter Kinderarmut, „Deutschland hat Europas älteste Bevölkerung. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist über 45 Jahre alt. Damit ist Deutschland das älteste Land der Europäischen Union.“

Aber ich sage auch: F A C H K R Ä F T E M A N G E L  haben zukünftig die Unternehmen und Recruiter, die so weiter machen wie bisher. Wer stehen bleibt, ist unattraktiv. Wer sich ändert, neue Wege sucht und selbst auf Bewerber zugeht, die umgekehrte Bewerbung praktiziert, Bewerber anspricht, wo sie sind, und Recruiting-Kooperation pflegt, wird keinen Mangel haben.

Empfehlungsrecruiting ist ein neuer Weg, den Kristin Schmidt beschreibt: „Empfehlung aus der Branche… Dass auch die Konkurrenz schon mal einen guten Tipp hat, stellt derzeit das Unternehmen younect unter Beweis. Die Idee: Unternehmen schließen sich in regionalen Netzwerken zusammen und empfehlen Bewerber weiter,… Die Netzwerke in Coburg und Goslar mit je 50 teilnehmenden Unternehmen sind besonders stark.“

Recruiting-Kooperation? Häufig hören wir dazu: „Aber dann geht der Bewerber ja zur Konkurrenz!“ Ein IHK-Präsident aus Hessen brüllte in einer Mitgliedersitzung seine Wut über einen so unsinnigen Vorschlag heraus: „Eher hack ich mir die Hände ab, bevor ich Bewerber empfehle“. So so. Finde den Fehler. Wenn Sie den Bewerber nicht einstellen, muss er zu einem anderen Unternehmen gehen. Was soll er auch anderes tun? Wenn Sie ihn nicht einstellen, geht ein Bewerber zwangsläufig immer zur Konkurrenz.

Übrigens: Zwei Drittel aller Stellen könnten über eine clevere Verteilung und Sicherung der 2.- und 3.-platzierten Bewerber besetzt werden, wenn nur ein Drittel der Unternehmen in ihren Netzwerken Silber- und Bronze-Bewerber weiter empfehlen. Höchste Bewerberqualität durch Kooperation! Wer nicht kooperiert wird die Wachstumsbremse Nummer eins zu spüren bekommen. Allerdings gibt es keinen Grund, nicht zu kooperieren, außer Starrsinn. Wachstumsbremse Nummer eins ist wie immer Starrsinn: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Der demografische Wandel ist neu. Aber dass die eigene Haltung zum Neuen der enscheidende Hebel ist, den  n u r  man selbst umgelegt kann, ist nicht neu.