Fachkräftemangel – die gesellschaftlich anerkannte Ausrede für langweiliges Recruiting

Gepostet am 31. Mai 2014 in Blog, Meine Meinung, Resonanz

Fachkräftemangel – die gesellschaftlich anerkannte Ausrede für langweiliges Recruiting

Am 19. Februar erschien ein viel gelesener Artikel in der WiWo Online „Es gibt keinen Fachkräftemangel„. Parallel dazu erblickte mein erstes Buch „Mythos Fachkräftemangel“ im WILEY Verlag das Licht des Buchhandels.

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Seit dem sind über neunzig Interviews und Rezensionen erschienen. Vor drei Tagen wurde ich überrascht von Platz 32 in der aktuellen Top 50 der deutschsprachigen Wirtschaftsbücher, ermittelt in Zusammenarbeit mit dem Manager Magazin.

In vielen Gesprächen, öffentlichen Diskussionen und Interviews sind mir einige Thesen besonders wichtig geworden.

1. Fachkräftemangel ist die gesellschaftlich anerkannte Ausrede für langweiliges Recruiting. Prof. Dr. Peter Wald hat das gleich als Überschrift für sein Interview mit mir genutzt. Unternehmen, die Bewerber-Gewinnung als ihre ureigenste unternehmerische Aufgabe betrachten, werden immer kreativ genug sein, um neue Mittel, Quellen & Wege zu Mitarbeitern zu finden. Die, die laut klagen und damit ihre eigene Verantwortung, ihre unternehmerische Aufgabe verleugnen, die sind gleichzeitig nicht bereit, Neues auszuprobieren.

2. Dass Unternehmen ‚Fachkräftemangel‘ rufen, ist genauso absurd als würden sie ‚Kundenmangel‘ schreien. Business-Vordenker Anja Förster und Dr. Peter Kreuz haben mich als Andersdenker portraitiert und interviewtWenn ein Unternehmen darüber jammert, dass es zu wenig Kunden hat, was raten wir ihm? Er sollte mehr Marketing und Vertrieb machen! Wenn ein Unternehmen über zu wenige Fachkräfte klagt, rate ich zu mehr Marketing und Vertrieb im Recruiting. Aber bitte so wie ein Fußballscout – draußen wo die Kicker sind – und nicht am Schreibtisch. Da kommt keine Fachkraft vorbei.

3. „Es jammern die Firmen am lautesten, die am unbeweglichsten sind.“ Und: „Es ist ureigenste Unternehmensaufgabe, Mitarbeiter zu gewinnen.“ Wenn Firmen keine Abnehmer für ihre Produkte finden, würde auch kein Politiker über allgemeinen „Kundenmangel“ reden. Schreibt die Augsburger Allgemeine Zeitung nach einem Interview mit mir und führt aus: Er erklärt vielen Firmenchefs, dass ihre Mittel zur Suche nach Arbeitskräften veraltet seien und sie dabei so ziemlich alles falsch machten.

Die größte Überraschung seit der Veröffentlichung des Buches ist die GROSSE Zustimmung, die ich gar nicht erwartet hatte. Ich hätte mit deutlich mehr Widerspruch gerechnet. Ich bedaure es fast, dass ich nur Zustimmung höre. Ich bin bereit, über das Thema zu streiten. Allerdings erwarte ich dann mehr als Schlagworte. In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf die Bildungskonferenz mit provokanter Diskussion.

Ein Leser brachte es auf den Punkt: „Man kann Ihnen nicht widersprechen, weil Ihre Fakten zu gründlich recherchiert sind und Sie leider Recht haben.“ Natürlich gibt es auch Personaler, die dabei bleiben, dass sie bereits ALLES Mögliche tun und dennoch keine geeigneten Bewerber finden. Spätestens wenn sie mir sagen, was sie ALLES unternehmen, stellen wir fest, dass die eingesetzten Recruiting-Tools identisch sind mit dem, was ALLE anderen Firmen auch machen. Ohne Alleinstellung keine Unterscheidung und keine Attraktivität. Basis jeden Marketings.

Und hier schließt sich immer wieder der Kreis. Recruiter verstehen sich in absoluter Mehrheit nicht als Vertriebler, die aktiv und kreativ auf die besten = passendsten Bewerber zugehen. So bleibt für mich noch viel zu tun.

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