80.000 leere Lehrstellen. Kann das sein? 80.000 x nicht gekauft. Kann das sein?

Gepostet am 30. August 2014 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Ein Leserbrief, den ich zum MYTHOS bekam, bestand aus der Schlagzeile „Laut DIHK fehlen 80.000 Azubis: Leere Stellen statt Lehrstellen.“ und der Frage: „Kann das denn sein, sehr geehrter Herr Gaedt?

Schon 2008 titelte der Tagesspiegel prophetisch „Lehrstellen bleiben Leerstellen“ und 2009 „Lehrling verzweifelt gesucht„.

2008 wies die ZEIT darauf hin: „Bis 2020 wird es… bis zu 170.000 Schulabgänger weniger geben – ein Drittel weniger potenzielle Auszubildende.

Vom demografischen Wandel wissen wir erst seit 46 Jahren… „das ist seit 1968 bekannt. Da hat uns ein Ausbilder In der Berufsschule vor den Kippen des Tannenbaumes gewarnt.“ Wer ist also 2014 ernsthaft überrascht??? Und viel entscheidender: Wer hat sich darauf eingestellt? Wer geht wirklich neue Wege?

Wer sagt, dass Azubis immer 16-20 Jahr alt sein müssen?

K+U geht neue Wege. „Lehre statt Rente. Mit der Idee, ältere Arbeitnehmer auszubilden, dürfte das Unternehmen Vorbote einer allgemeinen Entwicklung sein… 1.500 Euro brutto im Monat, immerhin fast dreimal so viel wie ein normales Azubi-Gehalt im ersten Lehrjahr.“

Im Produktbereich weiß jeder: Unterscheidung, USP, Alleinstellung ist gefragt.

Im Recruiting machen alle dasselbe. „Die Floskel Falle.“ Es ist mir unbegreiflich: „Unternehmen schreien ‚Fachkräftemangel‘, nutzen aber 08/15-Stellenanzeigen und 08/15-Absagen oder antworten erst gar nicht auf eingehende Bewerbungen.“

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Individuell gibt es Fachkräftemangel. So wie es individuell Kundenmangel gibt. 80.000 mal nicht gekauft. Kann das denn sein, sehr geehrte Leserin und sehr geehrter Leser?

  • WAS? Kundenmangel? „Mach mehr Marketing und Vertrieb. Oder ändere dein Angebot!
  • WAS? Fachkräftemangel? „Mach mehr Marketing und Vertrieb. Oder ändere dein Angebot!

Wo ist der Unterschied zwischen Kundenmangel und Fachkräftemangel?

Ein Betrieb antwortete Bettina Schöbitz auf ihre Frage: „Wie erfahren Jugendliche, dass Sie ausbilden?” fast empört und vollkommen von sich selbst überzeugt: „Das weiß man doch. Wir sind im Ort bekannt”. Welch vorbildliches Azubi-Marketing 2014… in einer dünn besiedelten Region… mit sechs Wettbewerbern vor Ort…

Sind die Azubis dann gefunden, liegt es auch am Ausbilder, was die Azubis drei Jahre lang über den Betrieb berichten, wie mir eine Bachelor-Studentin im Unternehmen schrieb: „Unser Niederlassungsleiter hat das Motto „3 Azubis ersetzen eine Arbeitskraft“ (kopfschüttel). Ich selber habe während meines Studiums den Ausbilderschein absolviert und finde die Zustände bei uns im Unternehmen katastrophal.

Leider wird in den meisten Umfragen nicht nach dem Azubi-Marketing und der Behandlung der Azubis während der Ausbildung gefragt. Stattdessen wird zu oft ein schlichtes „Ja“ auf die Frage „Bekommen Sie weniger Bewerbungen?“ als „Ja“ zum Fachkräftemangel gewertet. Das führt dann zum medialen Orchester „Fachkräftemangel“ mit Echo in der Endlosschleife.

Dabei ist es mathematisch völlig klar aufgrund drei Entwicklungen, dass Unternehmen auf Stellenanzeigen weniger Bewerbungen bekommen MÜSSEN:

  1. Die GROSSEN Marken-Unternehmen bekommen immer mehr Bewerbungen, die kleinen Betriebe und mittelständischen Weltmarktführer immer weniger.
  2. Immer weniger Jobsuchende lesen Stellenanzeigen. In USA lagen schon 2012 Einstellungen über Jobbörsen (17%) gleichauf mit Mitarbeiter-Empfehlungsprogrammen (16%).
  3. Es gibt inflationäre 1.583 Stellenbörsen, auf die sich die sinkende Aufmerksamkeit verteilt.

Es gibt eine breite Palette an Gründen für gefühlten Mangel von 80.000 Azubis. Ob das so ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Rechts und links von Mainstream liegt die Fülle. AUGEN AUF!