Gar keine Rückmeldung. Das Schwarze Loch ist angepisst. Und der Bewerber hat wieder den schwarzen Peter

Gepostet am 20. August 2014 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

„Noch immer geben zu viele Unternehmen gar keine Rückmeldung, wenn sie sich gegen einen Bewerber entschieden haben. Das ist eine Frechheit!“, schrieb ich in einem Gastbeitrag im Human Resources Manager, und dachte dabei als aller letztes an die DGFP.

Seit Erscheinen meines Buches „Mythos Fachkräftemangel“ erreichen mich täglich Leserinnen- und Leser“briefe“. Viele Mails beziehen sich auf Monate- und jahrelange Jobsuche mit Hunderten Bewerbungen, häufig Absagen, meistens aber gar keinen Reaktionen. Besonders überrascht war ich von den vielen Berichten von Menschen im besten Alter zwischen 45 und 55. Viel Lebenserfahrung, häufig mehrere Kinder groß gezogen, Fortbildungen besucht, und dann zu alt. WAS? Zu alt?

Aus einer Leserinnen-Mail: „Ich betreue in meiner Beratungsstelle sehr viele Frauen – hauptsächlich Akademikerinnen –  die im Alter von Mitte 40 Jahre wieder Fuß fassen wollen im Arbeitsleben. Leider werden sie von hiesigen Arbeitgebern nicht als Arbeitskräfte erkannt, die noch im Stande sind, etwas zu leisten. Oft bekommen diese Frauen nicht einmal ein kurzes Schreiben über den Eingang ihrer Bewerbung.“

Eine 50-jährige schrieb mir: „…wurde mir zu verstehen gegeben, es sei eine Zumutung für die Personalabteilung, dass sich jemand so „altes“ wie ich überhaupt noch zu bewerben wagt. Die Fragen des Vorstellungsgesprächs hatten nichts mit meinem Lebenslauf zu tun. Man tat so, als sei ich schon halb tot und total tatterig.“

Das deckt sich leider 100% mit diesen Erfahrungen: „Popp hat 27 Jahre bei Siemens gearbeitet. Er hat Software entwickelt, Budgets kontrolliert, Projekte koordiniert, Prozesse gemanagt, internationale Kollegen geschult… Makel: Der Vater von zwei Kindern ist 54 Jahre alt – und damit zu alt für die allermeisten Arbeitgeber… ein ungeschriebenes Gesetz, dass man mit über 50 am Arbeitsmarkt diskriminiert wird.“

Zu alt mit 45, 50, 54 Jahren… Ich könnte schreien vor Wut. Gleichzeitig führte Antje Rabenalt in der Reportage „Das Märchen vom Fachkräftemangel“ das Bild vom „plug & play“ ein. Die Erwartungshaltung von Unternehmen: Fertige Bewerber, die alles können. Keine Zeit mehr für Einarbeitung. Svenja Hofert hat diesen Begriff in dem grandiosen Beitrag „Plug & Play-Arbeitskräfte: Warum Arbeitgeber suchen, was es nicht gibt“ weitergedacht. Erfahrung wird erwartet, „plug & play“ gesucht, aber erfahrene Menschen werden systematisch aussortiert.

Die Krönung war für mich aber der Frust einer Leserin, die mir von ihrer Bewerbung bei der DGFP berichtete. Am 24. Juli 2014 schrieb sie: „Nun ist es 4!!! Wochen her, dass ich ein Vorstellungsgespräch bei der DGFP in München hatte. Und wissen Sie was, bis heute habe ich keinerlei Reaktion auf mein Vorstellungsgespräch bekommen – trotz Nachfragen. Ich finde das für eine Gesellschaft, die sich mit Personalfragen auseinandersetzt, schon relativ bedenklich, denn gerade von einer solchen Gesellschaft erwarte ich mir eigentlich ein anderes Verhalten… das mindeste, was man tun kann, ist doch nach einem Vorstellungsgespräch zu antworten.“

Ein Zitat daraus landete in meinen Tweets, worauf die DGFP am selben Tag geantwortet hat. Per Mail ging`s weiter: „Vielen Dank, dass Sie uns weitere Informationen zu diesem Vorgang schicken. Wir prüfen das so schnell wie möglich, es ist uns wichtig, die Angelegenheit zu klären.“

Leider nahm die Geschichte seinen Lauf ohne happy end… „Und wehe, der Bewerber wagt es nachzufragen! Dann reagiert das Schwarze Loch genervt.“, so schrieb ich hellseherisch bereits vor einem Jahr in meinem Buch. Die Klärung sah dann so aus,  wie mir die Bewerberin ein paar Tage später berichtete: „Wie ich schon geahnt habe, sagte der Außenstellenleiter in München lapidar, er habe meine Nachfrage per E-Mail gar nicht bekommen. Sprich: der Bewerber hat wieder den schwarzen Peter. Es stimmt, er hatte mir im Juni gesagt, dass es ein langwieriges Auswahlverfahren sei. Allerdings hatte er mir fest zugesagt, sich spätestens in der 28. KW zu melden.“

Hierzu fällt mir der bittersweete Kommentar von Sandra Gausmann ein: „Und ganz ehrlich: wir Bewerber verlangen gar nicht viel! Eine Eingangsbestätigung, vielleicht zwischendurch ein Lebenszeichen, sollte der Prozess länger dauern und eine Absage falls es mit der Position nicht klappt- damit wäre ich schon glücklich.“  Zum Mitschreiben: Sollte der Prozess länger dauern, ein Lebenszeichen…

Kein Lebenszeichen gab es von der DGFP, nicht in KW 28, nicht in KW 29, nicht in KW 30, aber in KW 31: „Nachdem gestern der Außenstellenleiter der DGFP in München angerufen hatte, habe ich heute eine automatisierte Ablehnung per E-Mail bekommen. Die DGFP hat sich in meinem Fall wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Ein schaler Nachgeschmack bleibt. Die Reaktion war genau so, wie alle Arbeitgeber in einer solchen Situation reagieren. Erst gar nicht. Dann missgestimmt. Und schließlich mit einer Standard-Absage.“

Mir ist völlig klar, dass es immer wieder so sein wird, „dass Unternehmen und Bewerber einfach nicht zusammenpassen… Der Bewerber sollte respektvoll behandelt werden, auch wenn es nicht passt.“ In der ZEIT äußerte DGFP-Chefin Heuer: „Wir haben tolle Zukunftsaussichten. Die Frage ist nur, ob wir sie auch nutzen.“