Anna-Katharina Schmidts Eindrücke vom DGFP // lab 2014

Gepostet am 19. Oktober 2014 in Blog, Gastbeitrag, Hintergrundgeschichten

Anna-Katharina Schmidt aus Coburg, eine Leserin meines Buches Mythos Fachkräftemangel hat Ende September am DGFP // lab 2014 teilgenommen und mich gebeten, ihren Beitrag zu veröffentlichen. Das tue ich sehr gerne. Ich habe viel Gutes gehört. So hat Frau Schmidt die zwei Tage erlebt:

Participate! Mitreden, Mitdenken, Mitgestalten im Unternehmen von morgen“ – unter diesem Motto fand in Berlin das DGFP lab statt – ein wirklich außergewöhnliches Event. Beide Veranstal­tungstage waren nicht von traditionellen Vorträgen geprägt, sondern die Mitgestalter, Experten und Referenten gestalteten ihr Programm selbst, das analoge wie digitale Kreativmethoden beinhal­tete. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hatten Teilnehmer die Themen für die Programmgestal­tung in zwei offenen Onlinesessions entwickelt und festgelegt.

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit allen Teilnehmern ein programmatisches Thesenpapier für das vernetzte und partizipative Un­ternehmen der Zukunft zu entwickeln. Von Beginn an hatten dabei die über 200 HR-Professionals die Möglichkeit, interaktiv mitzuwirken und sich bei der Entwicklung der Thesen für die Unternehmenswelt der Zukunft aktiv einzubringen, auszutauschen, zu diskutieren und zu gestalten.

Nach der PERSONAmethode entwickelten die Mitgestalter in Gruppen von 4 bis 6 Teilnehmern mit Schere und auf Papier als erstes Charaktere für das partizipative Unternehmen von morgen. Der Austausch innerhalb der Gruppe blieb so von Anfang an konkret, um sich im Verlauf der Veran­staltung in auch wirklich sehr fruchtbare Diskussionen zu steigern. Eine sehr interessante und auch erstaunliche Anmerkung in eigener Sache: die Hälfte meiner Mit-Gruppenmitglieder waren Studenten und von diesen kam der Vorschlag, einen älteren Arbeitnehmer zu kreieren, weil man sich das auch für das spätere Berufsleben wünsche: nämlich von den Erfahrungen der Älteren zu profitieren und gleichzeitig dabei auch das eigene Wissen, was vielleicht in Bezug auf neue Me­dien fundierter ist, an diese weiterzugeben. Ein Trend wird dabei bereits in dieser kleinen Gruppe deutlich: der Mitarbeiter der Zukunft denkt nicht mehr in Hierarchien, ist flexibel und offen für Neues.

Die Ergebnisse der ausgearbeiteten Charaktere wurden anschließend digitalisiert und ans Plenum gespielt. Alle Laptops der einzelnen Gruppen waren vernetzt und so konnten sich die Gruppen untereinander in sekundenschnelle interaktives Feedback geben.

Im Open-Space Format bei rund 30 Experten aus Unternehmen, Beratung, Hochschule und Politik konnten sich die Teilnehmer zusätzlich Impulse holen, um dann innerhalb der eigenen Gruppe darüber zu diskutieren und so die Ergebnisse ihrer PERSONAarbeiten elektronisch zu verfeinern, zu ergänzen oder zu korrigieren. An dieser Stelle hätte ich persönlich mir mehr Zeit und Tiefe für den Austausch gewünscht. Weil es so viele interessante Expertenimpulse gab, hätte ich sehr gerne noch länger mit dem einen oder anderen Experten diskutiert.

Weitere Anregungen über die Unternehmens- und Arbeitswelt der Zukunft erhielt das Plenum durch die Keynotes von Prof. Peter Wippermann (Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität Essen und Trendforscher), Tim Cole (Journalist und Autor) und Dr. Gerhard Rübling (Geschäftsführer TRUMPF GmbH & Co.KG und DGFP-Vorstandsvorsitzender) – den an­schließenden Austausch über den Inhalt der Vorträge hätte ich mir allerdings zeitlich intensiver gewünscht.

Am Ende des zweiten Veranstaltungstags hatte das Plenum 49 Thesen über die Anforderungen für Veränderungen im Unternehmen von morgen erarbeitet. Darüber wurde digital abgestimmt und es blieben schließlich 10 übrig, die es wert sind, auf breiter Ebene diskutiert zu werden.

Gewonnen hat die These: „Mut haben: Der Mitarbeiter von morgen vertraut in den offenen Prozess. Er probiert Dinge aus, bricht Regeln, macht Fehler und lernt daraus. Er denkt in Chancen“.

Mir persönlich besser gefallen hat diese These: „Verantwortung teilen, Vertrauen haben: Das Erfolgskonzept des Mitarbeiters von morgen ist das Den­ken im „Wir“. Er fordert aktiv andere Mei­nungen ein, nutzt sie und tritt anderen wertschätzend gegen­über. Er erwartet, dass andere das gleiche Grundverständnis haben“.

Flache Hierarchie, mehr gegenseitigen Respekt und kollektive Wertschätzung sind meiner Meinung nach die Erfolgsrezepte für eine produktive Unternehmenskultur. Wie Prof. Wippermann in seinem Vortrag ausführte, ist DER Trend 2014 die „Gesundheit“ und ein wertschätzendes Arbeits­klima ist das A& O für eine gute Gesundheit.

Insgesamt war das DGFP lab ein mutiges und innovatives Format, das die Chance bot für viele anregende Diskussionen. Dieses neue Veranstaltungsformat zwischen klassischem Kongress und BarCamp ist meiner Meinung nach das Format der Zukunft.

Wie aber sehen die Arbeitnehmer von Morgen das Unternehmen der Zukunft? Das wollte ich dann doch mal in der Praxis überprüfen und zwar bei Schülern einer Abschlussklasse. Diese hatten bereits einige Praktika in verschiedenen Unternehmen absolviert, hatten positive und negative Erfahrungen gesammelt und werden in einem Jahr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ich führe mit diesen Schülern Bewerbungstrainings durch und für die Schüler stellt sich immer wieder die Frage, wie eine für sie positive Arbeitswelt aussehen sollte. Diese Schüler also wünschen sich einen Chef zu bekommen, der ihnen als Berater zu Seite steht, der ihnen nicht nur Wissen vermittelt sondern sich auch für ihre Lebenswelt interessiert und sie bei Problemen, sei es im privaten oder im beruflichen Leben, unterstützt.

Schön, wenn sie eines Tages wirklich so aussehen würde – unsere Arbeitswelt von Morgen.

Selbstvorstellung der Autorin Anna-Katharina Schmidt:

Seit 3 Jahre bin ich selbstständig und biete unterschiedliche Dienstleistungen am Arbeitsmarkt an: Coaching und Bewerbungstraining, Berufs- und Karrieretraining, und ich betätige mich als Recruiterin für kleine Unternehmen unserer Region. Im Auftrag von Schulen führe ich in den Klassen Bewerbungstrainings durch, wir üben gemeinsam in aktiven Rollenspielen, wie man sich im Vorstellungsgespräch präsentiert, ich erstelle mit den Schülern der Abschlussklassen Bewerbungsmappen und gebe ihnen Hilfestellung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Außerdem berate ich Abiturienten und Studienabbrecher hinsichtlich ihres weiteren beruflichen Wegs in eine Ausbildung, ein freiwilliges soziales Jahr oder in eine Studium. Im Rahmen dieses Bewerbungstrainings an einer Schule haben wir uns der Frage gewidmet, wie sich die Schüler das Unternehmen der Zukunft vorstellen. Viele Schüler hatten gerade ein Praktikum absolviert und waren zum Teil sehr entsetzt, wie sie in Unternehmen behandelt wurden.

Nach dem Aufbau meiner Selbstständigkeit habe ich festgestellt, dass ich hiermit mein Potenzial nicht wirklich ausschöpfen kann, weil mir meine selbstständige Tätigkeit aufgrund der Marktverhältnisse Grenzen setzt. Da ich mich gerne weiterentwickeln möchte, strebe ich nun die die Position eines Recruiters bzw. Personalberaters in Festanstellung an. Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.