Personaler ein Auslaufmodell? Jobsuche so kultig wie die „Drei ???“

Gepostet am 5. Oktober 2014 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Was für eine Woche – was für Schlagzeilen. Während ich mit MYTHOS und cleverheads in Saarbrücken, Winnweiler, Simmern, Jena und Nürnberg war, wuchs das Zahlen-Ungeheuer. Der Autor Stefan von Borstel berichtet, dass 2013 durch eine Verdreifachung (Stolz!) 1.300 junge Europäer zur Ausbildung nach Deutschland gekommen sind (Überraschung!). WAS? Nur 1.300? Alle reden darüber. Staatliche Förderung ohne Ende. Und dann nur 1.300??? Bei 530.700 neuen Ausbildungsverträgen in 2013 und 1,43 Millionen Auszubildenden 2012 zeigt sich das ganze Elend, Spanische Azubis spielen sie gar keine Rollen. Eine Sau, die durch viele Dörfer getrieben wurde…

Erfreulich finde ich, dass 2013 4,9 Millionen Mitarbeiter neu eingestellt wurden. Da laut Welt gleichzeitig 800.000 Stellen nicht besetzt werden konnten, seien Unternehmen bereit, höhere Löhne zu zahlen. Kommentar dazu auf Twitter von Petra-Alexandra Buhl „Ich höre von wirklich guten Bewerbern anderes, sie werden schon im 1. Gespräch runtergehandelt.“ Wie immer, es gibt beides. Stutzig macht: „Zahl der befristet Beschäftigten… von 1996 bis 2013 verdoppelt. Über 2,6 Millionen Menschen in befristeten Jobs 2013.“ Und: „Die Gesamtzahl der Betriebe ist weiter gewachsen, die Zahl der Ausbildungsbetriebe ging zurück.“, so der Berufsbildungsbericht 2014. Spricht das für Mangel?

Ins Zahlen-Gewirr stößt diese Prognose: „Personaler ein Auslaufmodell? Der digitale ‚all-in-one Recruitingshop‘ wird in den nächsten fünf Jahren Personalberater und Agenturen ersetzen“, provoziert Nicolas Vorsteher von Precreen by MercuryPuzzle. Ich erinnere an meine Wette vom 01. Juni 2014: „Ich wette, dass sich Stellenbörsen tot laufen. In fünf Jahren spielen sie keine Rolle mehr. Auf die Floskeln hat keiner Lust.“

Sind unsere Prognosen mehr als Provokation? Ja, denn wer liest ein langweiliges Buch? Keiner. Wer liest langweilige Stellenanzeigen? Immer weniger! Zum Glück. Eine Personalleiterin, zuständig für 600 Mitarbeiter, suchte Top-Bewerber für eine spezielle Position. Sie schaltete dafür eine Stellenanzeige in einer angesehenen Fachzeitung. Keine Bewerbung. Also schaltete sie dieselbe Stellenanzeige in derselben Fachzeitung. Keine Bewerbung. Nach 6.600 Euro für Null Bewerbungen, ging sie zu ihrem Chef: „Ich brauchen 3.300 Euro für eine Stellenanzeige.“ Ausnahme? Oder die Regel? Glaubt irgendwer ernsthaft, durch langweilige Floskel-Anzeigen hoch motivierte Fachkräfte und innovative Querdenker anziehen zu können, die das Unternehmen substanziell voran bringen?

Was fehlt am meisten? GEIST! Begeisterung. Esprit, also Witz und Gewitztheit, die Fähigkeit zu überraschenden. Warum ist Jobsuche und Berufswahl nicht so spannend, überraschend, kultig und unterhaltsam wie die legendären „Drei ???„? Seit 1968 wurden in Deutschland über 45 Millionen Tonträger und über 16,5 Millionen Bücher verkauft. Ich habe in meiner Jugend alle Bücher gelesen, die es damals gab. Mit meinen Kindern war es ein Kult, samstags oder sonntags zusammen die neue Folge zu hören.

Jobsuche und Berufswahl hingegen sind für die meisten Menschen eine Last. „Ich muss…“ oder „Du sollst…“, so beginnen Sätze zur Jobsuche. Wer schreit vor Glück? Ich wünsche mir, wir würden auf Berufswahl und Jobsuche hinfiebern wie auf eine neue „Drei ???“-Folge. Ich bin gespannt, ob der Funke überspringt am 11.11.2014 in Osnabrück beim „Norddeutschen Kongress für Mitarbeiter Begeisterung„. Mir ist ziemlich egal, ob ich meine Wette zum Ende der Stellenanzeigen gewinne, aber ich will-will-will, dass Berufs- und Jobsuche spannend wird und in uns Begeisterung und Freude weckt. Die Lösung liegt direkt vor dem Auge, wie die „Drei ???“ sagen. Ich hoffe, wir lösen den Fall!