Sich selbst widerlegende Prophezeiung hat #Fachkräftemangel verhindert! Mut zu unabhängigem, kritischem Denken.

Gepostet am 10. Mai 2015 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Sich selbst widerlegende Prophezeiung hat #Fachkräftemangel verhindert! Mut zu unabhängigem, kritischem Denken.

Spiegel Online erdreistete sich im April 2015, bei den Instituten nachzufragen, die jahrelang den Fachkräftemangel prognostiziert hatten.

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„Was das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prophezeite, klang düster. Sehr düster.“ Statt nun einige Fehleinschätzungen einzuräumen, gab Axel Plünnecke diese „Antwort paradox: Falsch gerechnet haben will das Institut nicht. Aber eingetroffen, das gibt er zu, ist die Prognose eben auch nicht.“ Prof. Dr. Axel Plünnecke ist Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Noch wilder ist die „eigenwillige Prognos-Argumentation: Das Zahlenwerk sei ja bewusst als sich selbst widerlegende Prophezeiung gedacht. ‚Das eigentliche Ziel ist es, einen Fachkräftemangel zu vermeiden, was im Umkehrschluss zwangsläufig bedeutet, dass die im Szenario gezeigten Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt nicht eintreten sollen‘, sagt Prognos-Volkswirt Oliver Ehrentraut.“

Falsche Prognosen haben also den Fachkräftemangel verhindert. Glückwunsch. Ein Denkmal bitte! Und weiter so. Hauptsache Prognos und das IW verdienen weiterhin viel Geld mit ihren falschen Zahlen. Das IW ist auch zuständig dafür, dass der VDI jahrelang die Zahl der offenen Stellen mit SIEBEN, die Zahl der arbeitslosen Ingenieure aber nur mit EINS multipliziert hat. Eine völlig überraschende Lücke tat sich über Jahrzehnte auf. Gäbe es tatsächlich einen überzeugenden Ingenieursmangel, müssten VDI und IW dann so tricksen?

Der Personalchef eines großen, aber unbekannten Unternehmens sagte mir diese Woche, er habe einen echten Fachkräftemangel. 300 Ingenieurs-Arbeitsplätze unbesetzt. Allerdings wollten seine Fachabteilungen keine Einsteiger. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte habe er 30 Trainee-Stellen durchgesetzt. Sofort bekamen sie auf die 30 Trainee-Stellen 2.000 Bewerbungen von fertigen Absolventen. 1.970 Bewerber zu viel. Fachkräftemangel???

Täglich spielt ein mediales Orchester das Klagelied vom Fachkräftemangel. Auch unseriöse Zahlen werden blind kopiert und verbreitet. Statt dessen sollten positive Geschichten erzählt werden. Ein Ingenieursbüro, das Jahr für Jahr weniger Bewerbungen bekam, verloste 2014 unter allen Kandidaten, die die hohen Anforderungen erfüllten, vier Tickets für das Heavy-Metall-Festival Wacken. Ja, dort feiern überdurchschnittlich viele Ingenieure! Die Tickets sprachen sich herum, ein Rekord an passenden Bewerbungen ging ein. Es ist alles eine Frage der Attraktivität. Oh Wunder. Überrascht?

Ein Alleinstellungsmerkmal (USP) ist Basiswissen im Produktmarketing. Aber außergewöhnlich und selten im Personalmarketing. Meßdorf. Altmark. Wo ist das? „Als ich den Ort im Navi sah, habe ich mich erschrocken.“, gesteht der Azubi aus Essen. Auch aus Bremen kommt ein Azubi nach Sachsen-Anhalt zum landwirtschaftlichen Lohnunternehmer Metzger. Der Inhaber sagt selbstbewusst: „Passende Mitarbeiter zu finden, ist nicht vom Ort abhängig, sondern von der eigenen Haltung.“

Worüber wir viel dringender debattieren sollten. Filme wie „Ex_Machina„. Wie weit geht und wie schnell kommt künstliche Intelligenz? Kommunizierende und lernende Roboter sind längst im Einsatz. Und während 400.000 Grundschulen in China mit 3D-Druckern ausgestattet werden, ist „Deutschland Schlusslicht beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht und den wichtigsten Kompetenzen für die Teilhabe an der modernen Welt.“, so Saskia Esken, MdB im Tagesspiegel. „Bildungspolitik setzt einseitig auf Wissen und erstickt dabei das unabhängige und kritische Denken – die Wissenschaft.“ Die Auswirkung bringt Dr. Gottfried Schatz auf den Punkt: „Schulen und Universitäten vermitteln nur selten den Mut zu unabhängigem und langfristigem Denken.“

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Das weiß jeder Trainer. Der Erfolg von heute oder gestern ist kein Garant für morgen. Aber „eine Fehlerkultur, eine Kultur des Experimentierens, habe sich bisher in Deutschland nicht entwickelt, behauptet Schoendorf. Die Kultur sei zu sehr auf Anpassung und Übereinstimmung ausgerichtet.“