‚Hire for attitude. Train for skill‘ Echt? Bla Bla! Oder wer sucht ‚Mission first‘?

Gepostet am 25. April 2016 in Blog, Meine Meinung

Im Juni erscheint mein neues Buch. Darin stelle ich hunderte Fragen und erzähle Geschichten von Ideen, die die Welt verändern. Zum Beispiel greife ich einen Tweet von John Maeda auf, der den Gründer der African Leadership Academy, Fred Swaniker zitiert: „Was wäre, wenn Studierende statt dem Studienfach zuerst eine Mission wählen würden?” WOW. Bitte auf der Zunge zergehen lassen. Zuerst eine Lebensaufgabe, eine Berufung, eine eigene Begeisterung finden. Dem Finden geht das Suchen der Motivation voraus. Dem Finden folgt das Austesten und Leben. Oft folgt ein Verwerfen und weitere Suche. Eine neue Aufgabe und Motivation gilt es zu finden. Dann zu behalten und im Alltag zur Haltung auszuprägen. Erst dann sollte das passende Studienfach gewählt werden. Nicht umgekehrt.

Wer beispielsweise Lehrer werden möchte, sollte nach Swanikers Vorstellung zuerst die Mission wählen. Welche Aufgabe will der Studierende verfolgen? Wird der Nachwuchs auf ein selbständiges, erfülltes Leben vorbereitet und in diesem Sinne Wissen vermittelt? Oder ist Wissensvermittlung der Zweck? Mit welcher Mission ist man ein guter Lehrer? Statt einer Klärung VOR dem Studium, gehen wir stillschweigend davon aus, dass die Mission eines Lehrers schon irgendwie klar wäre. Aber ist das so? Bringen Studierende die Bildungsmission einfach mit? Mathematiker lernen Mathe, Sportler Sport und Historiker Geschichte. Dass es um die Bildung von Kindern und Jugendlichen geht, ist in unserem System zweitrangig. Wann findet eigentlich die Charakterprüfung eines Lehrers statt? Am Anfang? Am Ende? Oder nie? Dasselbe gilt auch für alle anderen Tausende Job-Möglichkeiten. Welchen Zweck verfolgt ein Rechtsanwalt? Ein Richter? Ein Banker? Eines VW-Manager? 

Hilft es, bei jeder Job-Wahl „mission first“ zu klären? Die Motivation, Aufgabe und den Lebenszweck. Welchen Sinn sehen und suchen Menschen in ihrer Arbeit? Dr. Tatjana Schnell beschreibt fünf Dimensionen von Lebenssinn und 26 Lebensbedeutungen, die zu einem sinnerfüllten Leben beitragen können. Kennen Sie Ihren Lebenssinn? 

Die Attitude. Die persönliche Haltung. Wofür stehen Sie? Wofür steht Ihre Firma? Wofür stehen Kandidaten? „Hire for attitude. Train for skill.“ Praktizieren Sie das? Geht der Trend nicht immer mehr zu einem handfesten Skill-match? Skills first. Skills sind messbarer, in Skalen zu erfassen und können gematcht werden.  Aber wäre „attittude & mision first“ nicht zielführend? Was meinen Sie?

Unternehmen zahlen viel Geld für Personalgewinnung auf der Suche nach Zugängen zu aktuell suchenden und vorqualifizierten Kandidaten. Wer hat den Zugang? Headhunter. Ein Milliarden-Geschäft. 1,7 Milliarden Euro in Deutschland für exklusive Empfehlungen. Außer Headhuntern kennt niemand empfehlenswerte Kandidaten? Doch, über 20.000 Stiftungen, Stipendien-Programme, eine halbe Million Vereine, Initiativen und 90.000 Sportclubs könnten Top-Kandidaten empfehlen. Trainer kennen die Zuverlässigkeit und Disziplin der Schützlinge aus Erfahrung, also wesentlich besser als Headhunter. Lehrer und Mentoren können Geschichten über die Motivation und die Lernfähigkeit erzählen. Universitäten, Akademien, Coaches, Vereine, Schülerfirmen, alle Initiativen sind Quellen über den Lebenszweck und die besondere Aufgabe von Menschen.

Aber „attitude“ ist ja gar nicht gefragt. Skill steht im Vordergrund. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 46% of newly-hired employees will fail within 18 months, only 19% will achieve unequivocal success. Der Autor Mark Murphy führt die Gründe aus, warum eine Zusammenarbeit häufig nicht wie gewünscht klappt. Die Top 3:

  1. Coachability
  2. Emotionale Intelligenz,
  3. Motivation

81% der von ihm genannten Gründe für Mismatch und Abbruch sind den Mentoren, Lehrern, Trainern und Kollegen bekannt. VORHERSAGBAR! Die Lernfähigkeit. BEKANNT. Die Motivation. HUNDERTFACH ERLEBT. Die Zuverlässigkeit. WÄRE ZUVERLÄSSIG ZU BEZEUGEN. Aber keiner fragt die, die es wissen.

Persönliche Empfehlung ist eine wertvolle Ressourcen in Bezug auf „attitude“, „mission“, Motivation, Lernfähigkeit. Bisher wird diese Ressource massenhaft verschwendet, weil alle Menschen, die Bewerber gut kennen, aus der Personalgewinnung ausgeschlossen sind. Der Bildungsmarkt ist voller Menschen, die potenzielle Kandidaten begleiten, aus- und weiterbilden. Sie könnten gute Kandidaten empfehlen, sie haben tagtäglich mit Menschen zu tun. In ihrer Not versuchen Unternehmen unter Zeitdruck in Bewerbungsgesprächen und Assessment Centern Wissen über Bewerber zu gewinnen, obwohl dieses Wissen bereits vorhanden ist.

Was wäre, wenn Haltung, Einstellung, Werte, Mission, Vision, eigene Ideen und Ziele und 26 Lebensbedeutungen tatsächlich in den Fokus rücken würden? TRUSTED by others. Eine Person empfiehlt. Natürlich stehen im CV auch skills, aber der Fokus könnte attitude sein. Bezeugt von anderen. Engagierte Kandidaten aus Vereinen, Initiativen, Sportclubs, Ehrenamt. 40% der Deutschen sind ehrenamtlich aktiv. Also könnten 40% der Arbeitsplätze über persönliche Empfehlung aus persönlicher Engagement-Motivations-Erfahrung besetzt werden.

Welche Unternehmen, Personaldienstleister und Jobbörsen setzen auf „mission first“? Ich freue mich über alle Tipps, Kontakte und auf eine Debatte, ob hire for attitude. train for skill mehr ist als Bla Bla!