Taugt das Bewerbungsgespräch, um Ausdauer, Motivation, Mut, Werte, Ziele zu erkennen? Ist ‚Attitude‘ gefragt?

Gepostet am 20. Mai 2016 in Blog, Meine Meinung

Taugt das Bewerbungsgespräch, um Ausdauer, Motivation, Mut, Werte, Ziele zu erkennen? Ist ‚Attitude‘ gefragt?

I have a dream: „Hire for attitude“. Viel zitiert, selten umgesetzt. Was wäre, wenn Haltung, Werte, Mission, Vision, eigene Ideen und Ziele tatsächlich in den Fokus rücken würden? “People`s business”. Menschen kennen die Attitude, die Haltung, Einstellungen, Lebensbedeutungen anderer Menschen. Fragen wir sie. Mentoren, Trainer, Lehrer, Coaches, Berater, Dozenten, Meister im natürlichen gesellschaftlichen Netzwerk. That`s my dream & cleverheads‘ vision.

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Eine halbe Million Vereine, 20.000 Stiftungen, 90.000 Sportclubs, Akademien, Unis, Hochschulen, Mentoren, Lehrer und Trainer. Alle kennen Menschen – jung und alt – und wissen aus langjähriger Erfahrung, was diese Menschen bewegt, was sie antreibt, wofür ihr Herz schlägt. Ob sie eher chaotisch oder strukturiert, ideenreich, ausdrucksstark, durchhaltevermögend oder detailbesessen sind. Zu jedem Bewerber gibt es bereits ein, zwei, drei Menschen, die das bezeugen könnten, was Personalverantwortliche im Bewerbungsgespräch in Windeseile ergründen wollen. WIE SOLL DAS GEHEN??? Ausdauer in 30 Minuten Gespräch testen? Genauigkeit und Hingabe in einer Momentaufnahme erkunden? Ist es nicht eine Illusion, einen Menschen mit allen Motiven, Lebensbedeutungen, Erfahrungen, Zielen in einem Bewerbungsgespräch ergründen zu können. Assessment Center sind zwar beliebt, aber das Ergebnis hängt stark an den Erfahrungen und Sympatien dessen, der die Kandidaten beobachtet. Gleich und gleich gesellt sich gern. Diese alte Weisheit holt uns immer wieder ein. „Zur Prognose künftiger beruflicher Leistungen taugt dieses Verfahren also kaum“ laut Christiane Siemann im Jobware-Blog. Und Miriam Hoffmeyer schreibt in der SZ: „Vielmehr müssen Sie Interessenten so gut kennenlernen, dass Sie sie an die richtige Stelle setzen können.

Warum fängt jeder Personalsuchende bei Null an? Warum nutzen wir nicht konsequent & clever die Ressourcen, die da sind. Menschen und Motivationen sind komplex. Ziele sind so vielschichtig: Persönliche Ziele können persönliches Wachstum oder gesellschaftlichen Einfluss beinhalten. Jeder Mensch ist anders. Was will Ihr Gegenüber erreichen? Traumjob? Die Olympischen Spielen? Ein finanzielles Plus? Gesellschaftlichen Reichtum? Meistens ist ein Ziel eine Mischung aus sozialen Zielen, persönlichen Zielen, beruflichen Zielen, familiären Zielen, ökonomischen Zielen, ökologischen Zielen, gesellschaftlichen Zielen, Spaß-Zielen und Sicherheits-Zielen. All das vereint eine Person in sich in unterschiedlichen Gewichtungen. Das Gehirn bringt permanent die Komponenten in einen Ausgleich – zusammen das Ziel einer Person. Das ergründen Sie nicht im Gespräch. Und noch weniger im CV.

Weiter geht’s mit 26 Lebensbedeutungen in unterschiedlicher Ausprägung. Hohe Risikobereitschaft oder hohes Sicherheitsbedürfnis. Suchen Sie Stabilität oder Regelbruch? Ohne Regelbruch keine Innovation. Wie ergründen Sie MUT und Risikoappetit? Weitere Lebensbedeutungen nach Dr. Tatjana Schnell: Gemeinschaft, Spaß, Liebe, Wellness, Fürsorge, Bewusstes Erleben, Harmonie, Selbsterkenntnis, Soziales Engagement, Naturverbundenheit, Gesundheit, Generativität, Herausforderung, Individualismus, Macht, Entwicklung, Leistung, Freiheit, Wissen, Kreativität, Tradition, Bodenständigkeit, Moral, Vernunft, Religiosität, Spiritualität.

Werte hängen eng am eigenen Menschen- und Weltbild, das lange gereift ist. Es setzt sich zusammen aus der Erziehung, Kernsätzen der Eltern und Lehrer, der Herkunft, Grundwerten, Religion, Kultur, Freunden, Erfahrungen, Bildung, Sport, Jugendarbeit, Privilegien, Vorurteilen, Rollen, Geschlecht, Vorbildern, Moral und Zielen. Will man etwas erreichen? Glaubt man an eine offene Zukunft? Oder findet das Leben immer mehr in der Rückschau statt? „Na klar bescheiße ich, ich werde ja auch ständig beschissen.“ O-Ton eines Menschen. Das finden Sie nicht im Vorstellungsgespräch heraus. Was wird häufig falsch eingeschätzt? Zu 81 Prozent Coachability, Emotionale Intelligenz, Motivation, Temperament.

WhyHiresFail

Haltung. Motivation. Wollen. Engagement. Committment. Dedication. Ausdauer. Sinn. Lern-, Kritik- und Feedbackfähigkeit. Dabei ist das bekannt! Jeder Mensch hat Lehrer, Coaches, Mentoren. 40% aller Deutschen sind ehrenamtlich aktiv. Die Partner und Kollegen WISSEN Bescheid. Sie müssen nur einbezogen werden ins Recruiting. Ist das zu aufwendig?

Klar, einfacher wäre eine einladend formulierte Stellenanzeige. André Schmidt-Carré schrieb vor ZWEI Jahren über die Stellenanzeigen als Floskel Fallen. Zeit genug, das zu ändern? Was sagt das jüngste Absolventa GenY-Barometer: „Konkret bemängeln die Befragten die […] Austauschbarkeit der Anzeigeninhalte. 83 Prozent der Studienteilnehmer haben massive Schwierigkeiten überhaupt zu verstehen, was Arbeitgeber eigentlich genau erwarten und fordern klare und präzise formulierte Stellenanzeigen.“ Der Nachwuchs fordert klar formulierte Stellenanzeigen. Verkehrte Welt? Wäre ein klarer Text die Kür oder schlicht die Minimalanforderung? Wenn schon nicht magnetisch anziehend und attraktiv, dann wenigstens verständlich?! Wenn nur für 17 Prozent der Kandidaten (befragt wurden 650 Absolventen) das Minimum erfüllt wurden, wie kann ich erwarten, dass Werte, Lebensbedeutungen, Sinn, Ziele, Attitude eine Rolle spielen? Zu viel erwartet?

Mein Highlight im April 2016 kam von Henrik Zaborowski: „JEDER wird ein Recruiter. Denn jeder Mitarbeiter / Mensch ist in der Lage, Beziehungen aufzubauen. Und aus Beziehungen entstehen Einstellungen. Führungskräfte sind ihre eigenen Recruiter! Sie müssen einen Namen und ein Netzwerk in ihrer Szene aufbauen, um die nötigen Spezialisten zu bekommen. Anders wird es nicht mehr gehen.“ Danke, du sprichst mir aus der Seele, Henrik.

Dazu gehören auch Empfehlung für Silber- und Bronze-Kandidaten. Statt Absagen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen… Miriam Eckert auf Impulse.de: „Arbeitgeber sollten aufpassen, dass sie es sich mit abgelehnten Bewerbern nicht verscherzen. Schließlich sprechen 91 Prozent der Bewerber mit ihrer Familie und Freunden über ihre Erlebnisse mit der Firma – schlechte Erlebnisse können über soziale Medien hohe Wellen schlagen.“ Genauso spricht sich POSITIV eine Einladung und Empfehlung herum. Von Mensch zu Mensch. Digital unterstützt.

I have a dream: ATTITUDE bekommt die Hauptrolle, die sie tatsächlich spielt. JEDE/R wird Recruiter*in. Bewerber*innen und Unternehmer*innen nutzen ihre natürlichen Netzwerke.