44 Fragen von Leserinnen und Lesern. Wer fragt, erlebt immer Überraschungen

Gepostet am 13. Juli 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung, Resonanz

44 Fragen von Leserinnen und Lesern. Wer fragt, erlebt immer Überraschungen

Seit der Veröffentlichung von MYTHOS Fachkräftemangel stelle ich in jedem Vortrag 44 Fragen ans Recruiting. Eine Frage lautet “Wissen Sie wer sich NICHT bei Ihnen bewirbt?” Betriebe können laut jammern, dass sie zu wenig Bewerbungen bekommen. Nützt nur nichts. Mehrere Millionen Menschen sind permanent auf der Suche nach einem Job und bewerben sich in deutschen Unternehmen. Warum kommen 99,9% der Kandidaten nie zu Ihrem Unternehmen? Fragen, vertiefen, ergründen, lösen. Dann weiß man, was man ändern muss. Warum verschicken 253 Unternehmen zusammen 513.299 Absagen, um 7.701 Stellen zu besetzen? Lässt sich dieser ökonomische und menschliche Wahnsinn beenden? Bringt Ihnen das gute Kandidaten?

Im neuen Buch ROCK YOUR IDEA heißt das erste Kapitel “Die unbequeme Gier”.  Ich zeige, wie eine einzige Frage zu der Erkenntnis führt, dass wir im friedlichsten Jahrzehnt aller Zeiten leben – trotz schlimmer Kriege und Terroranschläge. Wer fragt, erlebt immer Überraschungen. Jedes Thema ist anders, wenn man sich vertieft. Ein Leser schrieb mir:  “Geiler Schreibstil, tolle Denkanstöße und eine emotionale Tiefe, die man beim Buchtitel gar nicht vermutet.” Im ganzen Buch stelle ich über 1.000 Fragen.

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Auch die Ideen-Gewinnung, das Mixen, der Schliff und die Umsetzung leben von Fragen. “Gute Ideen können nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie auch umgesetzt werden.” Exakt. Der Ideen-Parcours in ROCK YOUR IDEA besteht zur Hälfte aus der Umsetzung. “Das Tolle an diesem Buch ist, dass es von einem Praktiker geschrieben wurde… macht das Buch ehrlich, glaubwürdig und wertvoll.” Fragen sind der Start und hören nie auf. Immer gibt es neue 44 Fragen.

Jana Tepe von Tandemploy schreibt über ROCK YOUR IDEA: “Besonders gut gefällt mir die Aussage „Alles geht anders“. Denn ja, warum eigentlich nicht? Der Autor regt dazu an, an jeder Ampel, in jedem Stau, in jedem Wartezimmer, zu jeder erdenklichen Gelegenheit Fragen zu stellen: 44 am Stück.” Und Jana Tepe macht es einfach. Sie stellt 44 Fragen zur Arbeitswelt – zum Beispiel: “Wenn alles immer flexibler wird – wo finden wir dann Halt? Wann haben Sie zuletzt von Ihrem Job geschwärmt? Wenn Arbeitszeit gleich Lebenszeit ist, was bedeutet das für unsere Berufswahl?”

Capital.de nimmt 13 Fragen aus ROCK YOUR IDEA auf: “Was wäre, wenn sich Studenten kein Fach, sondern eine Mission auswählen würden? Macht Harmonie dumm?” Capital.de führt aus: “Um kreativ sein zu können, muss der Kopf von altem Denken befreit werden. Man müsse nur regelmäßig üben – fast wie Vokabeln lernen oder Kopfsprung machen. Mit diesen Fragen machen Sie den Kopf frei für die nächste geniale Idee.”

Meinen Artikel “Fragst du schon oder weißt du noch” greift Pirmin Stadler auf. Er “denkt nach, lernt und lehrt über Schule und Digitalisierung.” Er stellt 44 Fragen und trainiert seine Fragenfitness: “Was kann man nicht lernen? Geht es in der Schule tatsächlich ums Lernen? Wenn nein, um was geht es dann? Warum ist vieles in der Schule noch gleich wie zu meiner eigenen Schulzeit? Was bereitet man Kinder auf eine Welt vor, die sich immer schneller verändert?”

Frau Kreis ist “inspiriert durch Pirmin Stadlers 44 sehr sinnvolle Fragen an Schule, Lehren und Lernen” und stellt ihre 44 “Fragen an das Leben. Wild, ungeordnet, subjektiv“: “Was ist schlimm daran, wenn Schülerinnen und Schüler manchmal mehr wissen als ihre LehrerInnen? Was würde sich ändern, wenn alle Kopierer über Nacht ihren Dienst aufgäben? Warum denken LehrerInnen so selten laut?”

Laut denken. Fragen. Nicht wissen. Gemeinsam Neues entdecken und herausfinden. So kommt Neues in die Welt. Sind wir stattdessen eine Gesellschaft der BesserwisserWo lernen wir, gekonnt Fragen zu stellen? Wer übt, das Bestehende professionell in Frage zu stellen? Wer stellt täglich 400 Fragen – so wie vierjährige Mädchen? Was bringen Meckern und Jammern? Wer übt, konstruktive, unsinnige und absurde Fragen zu stellen? Warum absurd? Führen Jammern oder absurde Fragen zur Veränderung? Sind Sie für Stillstand? Dann stellen Sie einfach keine Fragen. Ohne Fragen erstarren Menschen in ihrer eingeschränkten Weltsicht und Meinung. Alles passt zusammen. Nichts stört. Erscheint Ihnen das zu langweilig? Dann werden Sie Fragen-Aktivistin und Fragen-Aktivist!

Stellen Sie Ihre 44 Fragen und schicken Sie mir den Link zu Ihrem Blog, den Tweets oder ein Foto vom Graffiti der 44 Fragen.

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Ideenfindung als Prozess. Ideen6-Parcours. Keine Zauberformel zur Ideenfitness

Gepostet am 11. Juli 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Ideenfindung als Prozess. Ideen6-Parcours. Keine Zauberformel zur Ideenfitness

Endlich mal ein Buch über Innovation, das Ideenfindung als Prozess darstellt. Nachvollziehbar aber nicht für alle gleich.”, sagte mir eine Leserin von “Rock Your Idea. Mit Ideen die Welt verändern”.

Ideen entstehen nicht im genialen Moment, sondern sind das Ergebnis eines kurvenreichen Prozesses aus Fragen, Mixen, Ausprobieren, Feedback, Frust, Umdenken, Machen, Testen bis die Idee anderen Menschen einen Mehrwert bieten, die ihn erkennen und nutzen. Innovation ist immer eine Reise ins Unbekannte und Absurde.

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Ohne Absurdität nichts Neues. Ideen sind um die Ecke gedacht. Wie gute Witze mit unerwarteten Pointen, die überraschend. Gute Ideen überraschen und ecken an. Innovation ist immer Regelbruch. Neues muss unbekannt sein und zuerst abgelehnt werden. Risiko bleibt Risiko. Ideenfitness heißt nicht, alles läuft glatt. Aber Stillstand ist langweiliger. Und eine Illusion.

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Erste Hilfe zur Ideen-Rettung: Leben lassen! GEHT NICHT streichen! Lachen

Gepostet am 8. Juli 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Erste Hilfe zur Ideen-Rettung: Leben lassen! GEHT NICHT streichen! Lachen

Ideen sind flüchtig. Die meisten Ideen sterben direkt nach der Geburt. GEHT NICHT, wird uns gesagt. Oder wir sabotieren uns selbst. Unmöglich, das kann nicht klappen. Nein. Nein! NEIN!!

Damit aus einer Idee ein greifbarer, überzeugender Mehrwert wird, ist der erster Schritt immer derselbe: Leben lassen! Nicht drauf hauen. Nicht töten. Aus einer Raupe kann nur dann ein Schmetterling werden, wenn nicht drauf getreten wird. Grundvoraussetzung: Sie lebt. Das gilt auch für Ideen.

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Die meisten Raupen werden auf dem Weg zum Schmetterling von Vögeln gefressen. Die wenigsten Raupen werden jemals fliegen. Die wenigsten Ideen setzen sich durch und heben ab. Ideen werden bis zur Umsetzung laufend bewertet und ausgesiebt. Das ist sehr wichtig und gut so. Wenn man die Stärken und Schwächen einer Idee seriös einschätzen kann, müssen sie weiter entwickelt oder aussortiert werden.

Das geht aber nicht im Moment der Geburt. Da ist die entscheidende Frage: Bleibt die Idee am Leben? Gibt es Küsse und Begeisterung? “Ach bist du süß. Ganz der Vater. So hübsch wie die Mutter.” Oder wird das Baby sofort getötet? “Aus dem wird nie was.” Kann man Stärken und Schwächen bei einem Baby sofort einschätzen? Ist sofort klar, welche Stärken und Schwächen das Baby hat? NEIN. Ganz eindeutig: NEIN! Niemand ist der Lage, das Potenzial von Ideen sofort einzuschätzen. Trotzdem erleben viele kreative Menschen ein mörderisches Umfeld.

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Dieselben Leute, die GEHT NICHT sagen, nutzen selbstverständlich alle Errungenschaften der Menschheit, für die andere Menschen gekämpft haben. ALLES, was wir im Alltag verwenden, waren mal verrückte Ideen. ALLES war mal neu und wurde abgelehnt. Der erste Stuhl wurde verlacht. Wozu ein Stuhl? Man kann doch auf dem Boden und auf Steinen sitzen. Ein Stuhl? Ist der blöd!

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Geheimwaffen gegen GEHT NICHT sind Humor und Lachen. Nehmen Sie unseriöse voreilige Kritik nicht ernst. Mit Ideen-Killern lohnt eine inhaltliche Debatte nicht. Lachen wir daher lauthals über GEHT NICHT – die zwei unsinnigsten Worte. Warum sollte die neue Idee nicht gehen?

Für mich war der Mauerfall das größte Wunder in meinem Leben. Ich bin aufgewachsen in West-Berlin. Mit sehr guten Freunden in Ost-Berlin. Für mich stand die Mauer fest. Ein vereintes Deutschland lag für mich jenseits der Vorstellungskraft. Die deutsche Mauer würde bröckeln und im Museum enden wie jedes historische Bollwerk. Ich war mir sicher, dass meine Kinder oder Enkel den Mauerfall erleben würden. Ich nicht! Doch die Mauer stand nur 28 Jahre. So lange wie sie stand, ist sie schon wieder weg.

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Mein Feuer für Neues möchte ich teilen. Dafür habe ich Rock Your Idea geschrieben. Ich provoziere, denn Kritik, Widerspruch und Neugier sind die Basis für Ideen, gepaart mit Humor, Überraschung und Risiko. Ideenfindung ist nicht frei von Kritik. Im Gegenteil. Innovation ist Regelbruch. Nur wer etwas versucht, das vorher keiner geschafft hat, nur wer macht, was bis dahin als nicht machbar galt, der kann eine Innovation schaffen. Innovation ist das, was scheinbar nicht geht.

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ALLE Ideen gingen zuvor nicht. Nicht, weil sie nicht gehen, sondern weil zuvor keiner drauf gekommen ist. Gleichzeitig ist es völlig klar, dass die meisten Ideen nicht funktionieren. Nur die Wahl, welche gehen und welche tatsächlich nicht gehen, kann kein Mensch spontan wissen. Das Neue braucht viele Menschen, die lachend Grenzen überschreiten, fest an ihre Vision glauben und Ideen gegen alle Widerstände durchboxen. Im Weg steht dabei häufig das menschliche Bedürfnis nach Kritik, die nur das bereits Sichtbare wahrnimmt und beharrlich am Bewährten klebt.

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Wer etwas wirklich Neues ausspricht, gibt sich schonungslos der Kritik preis. Feuer frei! Menschen fällt es verdammt schwer, nicht sofort besserwisserisch alles aufzuzählen, was nicht geht. Erste Hilfe zur Rettung: Don’t criticize, improve. Wenn ich sage Don`t criticize, improve meine ich nicht, dass Ideenfindung harmonisch ist. Professor Peter Kruse sagte vollkommen zutreffend: „Harmonische Systeme sind dumme Systeme. Erhöhen Sie die Spannung im System.”

Spannung? JA! Herausforderung? JA! Widerspruch? JA! Spielen Sie mit der Idee. Üben Sie, Ideen zu improven. Kritisieren Sie nicht destruktiv. Machen Sie die Idee besser! Reicher! Runder! Nützlicher! Wirksamer! Verfeinern Sie die Idee! Schleifen! Feilen! Veredeln Sie sie mit Wertschätzung! Alle Energie fließt produktiv ins Fragen, Vertiefen und Improven. Assoziationen, verschiedene Blickwinkel und – Achtung – auch konstruktive, lebensbejahende Kritik. Das alles hilft gegen voreilige, destruktive Kritik.

Die Stärken der Idee stehen im Fokus und werden angereichert. Die Idee wächst und wird schöner, stärker, selbstbewusster, wortgewandter und verständlicher. Wer erlebt hat, wie eine Idee besser, reifer, wacher, lebendiger, anschaulicher und spürbarer wird, der weiß, wie dieser magische Moment Euphorie auslöst. Menschen fangen Feuer für das neue Geschöpf. GEHT NICHT verliert seinen Reiz. Die Idee bekommt Raum zum Atmen und zur Entfaltung des Potenzials.

Lassen Sie sich nie wieder Zeit und Mut stehlen von Menschen, die GEHT NICHT sagen. Lachen Sie darüber. Machen Sie einen charmanten Witz. Bringen Sie Ihre Kritiker zum Lachen. Möglicherweise stellen Sie später selbst fest, dass Ihre Idee nicht die beste Idee war. Aber geben Sie Ihre Idee nie auf, nur weil jemand GEHT NICHT sagt. Die Geschichte ist voller Ideen, die keiner für möglich gehalten hätte. Wir können die Welt gestalten!

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513.299 Absagen, um 7.701 Stellen in 253 Firmen zu besetzen. Bereit zum Teilen? Sharing Recruiting

Gepostet am 24. Mai 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

513.299 Absagen, um 7.701 Stellen in 253 Firmen zu besetzen. Bereit zum Teilen? Sharing Recruiting

Ein einziges großes Unternehmen bekommt 250.000 Bewerbungen pro Jahr. Das entspricht allen Einwohnern aus Mönchengladbach, ganz Braunschweig, 100 Prozent Chemnitz oder alle Kieler. Können Sie sich 250.000 E-Mails im Postfach vorstellen? Was macht die Firma damit? 1.400 Kandidaten bekommen einen Arbeitsvertrag. Stellen wurden passend besetzt. Alle zufrieden. Wirklich alle? Das Unternehmen muss 248.600 Kandidaten absagen. Ein anderes großes Unternehmen sagt – am Nebenstandort – rund 99.000 Mal pro Jahr ab. Geht es auch anders? Ja, noch krasser! Ein Unternehmen hatte eine einzige Stelle im Marketing zu besetzen. Von 1.000 Bewerbern kamen 50 Talente in die engere Wahl. Sie mussten über sechs Monate mehrfach zu Gesprächen, zum Assessment Center und Probe-Arbeitstag anreisen. Ergebnis: Ein ‚Ja‘. 49 Mal ‚Nein‘. Eine letzte Zahl: Staufenbiel hat in den ‘JobTrends Deutschland 2014’ die Zu- und Absagen aus 250 mittelständischen Unternehmen 2013 gezählt: 5.300 Arbeitsverträge, 164.700 Absagen.

Zusammen 513.299 Absagen, um 7.701 Stellen in 253 Firmen zu besetzen. Ökonomischer und menschlicher Wahnsinn. Wenn 253 Unternehmen über eine halbe Million Absagen verschicken, wie viele Absagen produzieren 3,6 Millionen deutsche Unternehmen? Wie viele 23 Millionen europäische Unternehmen?

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Ist es ökonomisch sinnvoll, allen abzusagen? Scheinbar sind die Massen gar nicht sinnvoll zu verwerten. Stellenpakete.de titelte kürzlich: “Bewerbung: Jede zweite landet im Müll.” Bewerbungen landen gesehen oder ungesehen im Müll. Kein neues Phänomen. Könnte das Wissen über die nicht eingestellten Kandidaten noch genutzt werden? Wer könnte daran Interesse haben? Suchen aktuell auch andere Unternehmen nach Kandidaten? Sind da nicht so viele Unternehmen, die “Fachkräftemangel” rufen. Täglich lesen wir zigfach “Fachkräftemangel ist größtes Risiko“. Könnten also andere Unternehmen an den knapp gescheiterten Bewerbern – 7702., 7703., 7704., 7705. – Interesse haben? Könnten sich andere Unternehmen viel Arbeit, Zeit und Geld sparen? Wenn vorausgewählte Kandidaten weiter empfohlen werden, sparen andere Recruiter vier von sieben Schritte in der Personalgewinnung.  

Wie viel Prozent der 521.000 Bewerber in den 253 Unternehmen waren Top-Kandidaten? Es gab 7.701 Silber-Medaillen-Kandidaten. Und 7.701 Bronze-Medaillen-Gewinner. Silber und Bronze? Im Sport gibt es Gold – Silber – Bronze. Dazwischen liegen Millisekunden. Drei herausragende Leistungen werden gewürdigt. Für Bewerber gibt es Gold oder gar nichts. Was ist mit den Bewerbern, die in der engeren Wahl waren? Die Mehrzahl GUTER Kandidaten bekommt eine Absage. Alle in der engeren Wahl! Sinnvoll? Sinnentleert? Änderbar? Feststehend? Unumkehrbar? Wer könnte Silber- und Bronze-Kandidaten ein attraktives Angebot machen? Unternehmen derselben Branche oder Region?

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Liegt es am Fachkräftemangel oder am beschränkten Suchfeld? 44 Fragen

Gepostet am 6. April 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung, on Tour

Dienstag in Hannover. Ich leite einen Workshop zur Fachkräftegewinnung mit gestandenen Unternehmerinnen und Unternehmern im Einzelhandel. Es geht ihnen wirtschaftlich richtig gut. Sie machen Millionen Euro Umsatz und beschäftigen hunderte Mitarbeiter. Sie arbeiten hart für ihren Erfolg. Und sie verbindet ein Problem: Fachkräfte kommen nicht mehr in Scharen. Die Berge von Bewerbungen sind nur noch eine verblassende Erinnerung an die ‚guten alten Zeiten‘. Ich komme schnell zur Sache: „Wer Fachkräftemangel hat, ist selbst schuld. Wer nur das macht, was alle machen – zum Beispiel langweilige Stellenanzeigen – bekommt auch nur die, die alle bekommen. Was machen Sie anders? Wie unterscheiden Sie sich? Sind Sie für Bewerber magnetisch?

In die angeregte Diskussion mischt sich ein kritischer Ton: „Herr Gaedt, haben Sie schon mal im Einzelhandel gearbeitet?“ „Nein.“ Seine Miene verfinstert sich. Was kann der uns beibringen? Trockene Theorie ohne jeden Praxisbezug. Der Ärger spricht aus seinem Gesicht. Was soll dabei herauskommen? Seine Skepsis wächst. Und das zeigt er mir auch deutlich. Ich verteilte unkommentiert meine 44 Fragen an die Personalgewinnung:

  1. Glauben Sie wirklich, jährlich gehen Milliarden Euro verloren?
    Warum steht seit 30 Jahren Fachkräftemangel in den Medien und dennoch passiert nichts?
    Wer hat ein Interesse daran?
  2. Ist wirklich jede vierte Stelle unbesetzt?
    Warum nimmt der VDI die Anzahl offener Stellen mal sieben (bis 2014) und jetzt mal fünf, aber jeden arbeitslosen Ingenieur nur mal eins?
    Muss der VDI so tricksen, weil es keinen Fachkräftemangel gibt?
  3. Wer hat gegen demografischen Wandel vorgesorgt?
    Haben Sie Bewerber schon einmal ausgewählt, bevor eine Bewerbung kam?
    Wie haben Sie das gemacht?
  4. Haben Sie Bewerber schon einmal überrascht?
    Zum Beispiel mit Handys?
    Oder mit Heavy-Metal-WACKEN-Tickets?
    Oder indem Sie bei Rechnungen drei Cent zu viel überwiesen haben?
  5. Liegt ENGpass an ENGstirnigkeit?
    Schauen Sie auch links und rechts vom Mainstream nach Bewerbern?
  6. Haben Sie Bewerber schon einmal aktiv angesprochen?
    Wie haben Sie das gemacht?
    Wo haben Sie Bewerber angesprochen?
    Wie oft haben Sie Bewerber aktiv angesprochen?
    Wen haben Sie angesprochen? Anfänger? Fortgeschrittene?
  7. Tappen Sie in die Floskel-Falle der Stellenanzeigen?
    Was heißt Teamgeist? „Alle entscheiden“ oder „Einer spricht, alle nicken“?
  8. Würden Sie ein laaangweiliges Buch verschenken?
    Erwarten Sie hochmotivierte Kandidaten auf laaangweilige, standardisierte Stellenanzeigen? Schizophren?
  9. Es existieren inflationäre 2.500 Stellenbörsen.
    Warum sind Einstellungen über Stellenanzeigen bei Hochqualifizierten von 60 % auf 34 % eingebrochen?
  10. Was machen die anderen 66 % der Bewerber?
    Wo finden Sie die Mehrheit?
  11. Wissen Sie, wer sich nicht bei Ihnen bewirbt?
    Verstehen Sie, warum diese Frage relevant ist?
  12. Wie viele der 43 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer suchen aktiv?
    Wie viele suchen passiv?
  13. Wie viele der 43 Millionen haben sich schon einmal bei Ihnen beworben?
    Und warum haben es die anderen nicht getan?
  14. Wie viele der über 500.000 Schulabgänger, die eine Lehre machen, bewerben sich bei Ihnen?
    Wie viele nicht?
    Und warum nicht?
  15. Nutzen Sie die 25 Prozent (Durchschnitt) bis 48 Prozent Studienabbrecher als Azubis?
  16. Wie gehen Sie mit Bewerbern um?
    Sagen Sie „Hau bloß ab!“?
    Herrscht eine Willkommenskultur oder eine Willkommensunkultur?
    Haben Sie sich inkognito in Ihrem eigenen Unternehmen beworben?
    Haben Sie sich dabei willkommen gefühlt?
  17. Wer sagt, dass Azubis jung sein müssen?
    ING-DiBa bildet 50-Jährige aus.
    Warum tun Sie es nicht?
  18. Was passiert mit einer Million Menschen ohne Schulabschluss seit 1999?
    Wer kopiert „Chance Plus“ der Deutschen Bahn?
    Nutzen Sie Mentoring?
    Kennen Sie Schülerpaten, Rock Your Life, Chancenwerk oder Joblinge?
  19. Was passiert mit Menschen „Ü50“?
    Warum berichten gestandene Männer und Frauen, dass es ab einem Alter von 45 Jahren immer schwieriger wird, überhaupt mal ins Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden?
    Warum leisten wir uns Altersdiskriminierung?
    Wäre ein Hoch auf Erfahrung und Weisheit nicht angemessener?
  20. Wissen wandert aus!
    Warum? Weil alle nach Berlin, Hamburg, München oder Köln wollen? NEIN!
    Warum bleiben nur 40% in der Region? Sie sagen „Hier gibt`s ja nichts.“
    70% wollen aber bleiben! Jedoch brauchen sie Jobangebote, solange sie vor Ort sind.
  21. Warum bieten Hochschulen zu 75%-85% befristete Verträge?
    Haben Sie gezielt Mitarbeiter mit befristeten Verträgen angesprochen?
    Warum gehen Top-Akademiker ins Ausland?
  22. Warum bekommen 3,5 Millionen Firmen immer weniger Bewerbungen?
    Dafür 14.400 Unternehmen immer mehr! Eine einzige Firma bekommt konkret 250.000 Bewerbungen auf 1.400 Stellen?
    Sind 248.600 Absagen für eine einzige Firma sinnvoll?
  23. Warum sind 99 % der Unternehmen unsichtbar?
    Wie viele Firmen kennen Sie?
    Und wie viele davon kennen Sie richtig gut?
    Wie viele kennen sie „von innen“, also so gut, dass sie wissen, welche Berufe dort gebraucht werden?
  24. Ist Ihr Unternehmen sichtbar, erlebbar, spürbar – oder unsichtbar?
    Wo ist es sichtbar?
    Wie ist es sichtbar?
    Wer kennt Sie und kann Sie empfehlen?
    Wer würde Sie empfehlen?
    Kunden? Mitarbeiter? Wer noch?
  25. Nutzen Sie Mitarbeiter-Empfehlung, z. B. per App und mit Anreizen?
    Kennen Sie Firstbird.eu?
  26. Warum sind Jobsuche und Berufswahl nicht so spannend und ein Kult wie die ‘Drei ???’?
  27. Warum ist sich bewerben nicht so geil wie die Lieblingsmusik?
    Warum werben Sie nicht mit WACKEN oder dem Elektroclub Berghain in Berlin?
  28. Warum sind Berufswahl und Jobsuche negativ belegt?
    Warum stöhnt jeder bei der Jobsuche?
    Kommen Bewerber aus Bewerbungsgesprächen bei Ihnen und jubeln: „Das war inspirierend. Da will ich ab jetzt jeden Tag hin!“?
    Wie wäre es mit einem Bewerbungsgespräch im Kino? Oder im Café? Oder im Museum?
  29. Warum verarschen wir 900.000 Schüler pro Jahr im BIZ?
    Warum ist „Gärtner“ auf Platz 1 aller Empfehlungen?
    Die Stiftung Warentest schreibt 2007: „Berater müssen nachsitzen“ und verteilt schlechte 
Noten für mangelhafte Beratung! Wurde irgendetwas geändert? Nein. Es wurden Milliarden an Steuergeldern verschwendet!
  30. Sind Sie ein Magnet?
    Kennen Sie Meßdorf? Oder die Altmark? Azubis aus Essen und Bremen gehen dort hin!
    Warum gehen sie nach Meßdorf zum Lohnunternehmer in der Landwirtschaft? Können Sie so magnetisch sein?
  31. Was machen Sie anders im Recruiting und im Bewerbungsverfahren als alle anderen?
    Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal in der Personalgewinnung?
    Oder machen Sie das, was alle machen und bekommen das, was alle bekommen?
  32. Welche Ideen und Experimente führen Sie durch?
    Nutzen Sie ungewöhnliche Zutaten?
    Was übertragen Sie vom Produkt-Marketing aufs Recruiting?
    Ist Ihnen die Aufmerksamkeit sicher?
  33. Wie erreichen Sie die, die sich nicht bei Ihnen bewerben?
    Zum Beispiel passive Wechselwillige?
    Und die, die Sie nicht kennen?
    Und die, die keine Stellenanzeigen mehr lesen?
  34. Schreiben Sie 08/15-Antworten an Bewerber?
    Lassen Sie die Bewerber 4 Wochen auf eine Antwort warten?
    Wie kann es sein, dass 40% aller Bewerbungen ganz ohne Antwort bleiben? Noch krasser: Wieso werden von 100 Bewerbungen nur vier beantwortet?
  35. Hat einer Ihrer Bewerber Lücken im Lebenslauf?
    Nehmen Sie Quereinsteiger? Ehemalige Knastinsassen? Querdenker? Regelbrecher?
  36. Besetzen Sie Vollzeitstellen mit zwei Kandidaten?
    Betreiben Sie Jobsharing?
    Kennen Sie tandemploy.com?
  37. Sind Sie bereit, englischsprachige Mitarbeiter einzustellen?
  38. Sortiert Ihr Bewerber-Managementsystem systematisch interessante Persönlichkeiten aus?
  39. Können Sie sich Olympia nur mit Goldmedaillen vorstellen?
    Warum gibt es keine Silber- und Bronze-Positionen im Bewerbungsverfahren?
    Gold oder Absage!
  40. Warum bekommen die meisten guten Bewerber Absagen?
    Warum hören gute Bewerber „Hau ab!“?
    Warum verschwenden Sie erfahrene Fachkräfte, Absolventen und Azubis, indem Sie der engsten Auswahl Absagen schicken?
  41. Warum lassen Sie gute Bewerber schlecht über Ihre Firma reden?
    Warum verbrennen Sie teuer bezahltes Image? Was könnte Top-Kandidaten trotz Absage positiv überraschen?
  42. Warum wird im Einkauf kooperiert?
    Warum kooperieren Sie im Recruiting nicht?
    Mit wem werden Sie zukünftig im Recruiting kooperieren?
    Wie können sich viele KMU zusammentun?
  43. Sind Sie bereit, anderen Unternehmen gute Bewerber in Kooperation zu empfehlen?
    Oder sehen Sie nur die Konkurrenz?
    Wollen Sie zukünftig Ihre Recruiting-Kosten refinanzieren?
  44. Welche Recruiting-Blogs lesen Sie?
    Was inspiriert Sie?
    Wie bleiben Sie auf dem Laufenden?
    Wie werden Sie Vorreiter?
    Warum haben Sie sich diese Fragen noch nie gestellt?

Mein schärfster Kritiker in dieser Gruppe sagte zunächst gar nichts, aber sein Gesicht entspannte sich schon beim Lesen. Seine Augen wurden freundlich, der Ärger wandelte sich in Erstaunen. Er hatte sich diese Fragen noch nie gestellt.

Meine 44 Fragen erweiterten seinen Horizont. Erwartet hatte er „So schreiben Sie Stellenanzeigen im Einzelhandel.“ Ich stellte den Sinn von Stellenanzeigen grundsätzlich in Frage. Ich erweiterte seinen Horizont um ‚Silber- und Bronze-Medaillen‘ für Bewerber, Mentoring, Jobsharing, Mitarbeiter-Empfehlung und Sharing Recruiting. Seine Vorstellungskraft übersprang mehrere Tellerränder auf einmal. Der Staub auf seinen Synapsen zur Personalgewinnung wurde aufgewirbelt. Denn plötzlich – nach nur 44 Fragen – war nichts mehr wie vorher. Der Skeptiker empfahl mich sogar seinem Vorstand.

Was war passiert? Die Fragen öffneten den Horizont. Speziell bei dem Mann, der gedacht hatte, bereits alles zu wissen, war das Erstaunen am größten. Die Fragen zeigten allen Teilnehmern Suchwege, an die sie noch nie gedacht hatten. Weniger Bewerbungen wurde zuvor immer gleichgesetzt mit weniger Bewerbern im Markt. Also Fachkräftemangel. Nun ging für sie der Vorhang auf. Sie sahen einen ganz neuen Film. Die Welt da draußen ist viel größer, bunter und reichhaltiger. Sie merkten selbst, dass sie antiquierten Suchwegen nutzen. Die Fragen brachten die Selbsterkenntnis, dass ihr Wissen über Personalgewinnung hoffnungslos veraltet ist. Wer nicht fragt bleibt dumm und stehen.

Der Einzelhandel sucht händeringend FachverkäuferInnen für die Fleischtheken. Es gibt immer weniger gelernte Fleischer, sagen die Fachleute. In einer kleinen, stehengebliebenen Welt ist das dann ganz offensichtlich DER Fachkräftemangel. Oder? Vordergründig ja. Aber gibt es deshalb zu wenig Potenziale? Wo könnte man suchen? Wer bringt Interesse für Lebensmittel und die Suche nach einem Job mit? 50 Prozent der Koch-Azubis brechen die Lehre ab. Potenziale ohne Ende. Stellen Sie sich vor, Sie kämen als junger Mensch ins harte Klima einer Großküche. Das ist selbst für Erwachsene schwer zu ertragen. Hinzu kommen lange Arbeitszeiten – auch dann, wenn die Freunde Freizeit genießen. Darauf ist niemand vorbereitet, der eine Lehre beginnt.

Wer Koch lernt, ist an Lebensmitteln interessiert. Wer die Lehre abbricht, könnte weiterhin an Lebensmitteln interessiert sein. Wer FachverkäuferInnen für die Fleischtheken sucht, könnte gezielt Koch-Azubis suchen, die gerade frustriert ihre Lehre abgebrochen haben. Ein Abbruch macht keinen Spaß. Das ist ärgerlich für alle Beteiligten. Wenn in diesem Moment das Angebot käme, ‘möchtest du bei uns eine Lehre zum Fleischer oder Fachverkäufer machen’, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Azubi zusagt? 40 oder sogar 80 Prozent? Fast immer ein Volltreffer. Und der Azubi freut sich, eine Lehre beenden zu können mit besseren Arbeitszeiten und in einem angenehmen Arbeitsklima.

Fachkräftemangel oder Suchradiusmangel? Zu eng gesetzte Filter im Suchradar? Oder war die Lösung jetzt zu schwer? Die größte Hürde sind die nicht gestellten Fragen. Ohne neue Fragen kommen keine neuen Antworten. Wo könnte man suchen? Wer bringt das Interesse für Lebensmittel und die Suche nach einem Job mit? Liegt es am Fachkräftemangel oder am beschränkten Suchfeld? 

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Sich selbst widerlegende Prophezeiung hat #Fachkräftemangel verhindert! Mut zu unabhängigem, kritischem Denken.

Gepostet am 10. Mai 2015 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung

Sich selbst widerlegende Prophezeiung hat #Fachkräftemangel verhindert! Mut zu unabhängigem, kritischem Denken.

Spiegel Online erdreistete sich im April 2015, bei den Instituten nachzufragen, die jahrelang den Fachkräftemangel prognostiziert hatten.

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“Was das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) prophezeite, klang düster. Sehr düster.” Statt nun einige Fehleinschätzungen einzuräumen, gab Axel Plünnecke diese “Antwort paradox: Falsch gerechnet haben will das Institut nicht. Aber eingetroffen, das gibt er zu, ist die Prognose eben auch nicht.” Prof. Dr. Axel Plünnecke ist Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Noch wilder ist die “eigenwillige Prognos-Argumentation: Das Zahlenwerk sei ja bewusst als sich selbst widerlegende Prophezeiung gedacht. ‘Das eigentliche Ziel ist es, einen Fachkräftemangel zu vermeiden, was im Umkehrschluss zwangsläufig bedeutet, dass die im Szenario gezeigten Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt nicht eintreten sollen’, sagt Prognos-Volkswirt Oliver Ehrentraut.”

Falsche Prognosen haben also den Fachkräftemangel verhindert. Glückwunsch. Ein Denkmal bitte! Und weiter so. Hauptsache Prognos und das IW verdienen weiterhin viel Geld mit ihren falschen Zahlen.

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