Fortbewegen – sonst fällt man um. Wider die Ausschließeritis. Im Gespräch Tarek Al-Wazir

Gepostet am 29. November 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, on Tour

Fortbewegen – sonst fällt man um. Wider die Ausschließeritis. Im Gespräch Tarek Al-Wazir

„Europa ist wie ein Fahrrad. Fortbewegen – sonst fällt es um“, sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir im Frankfurter Club-Gespräch vom Handelsblatt zum Thema „Bankenkrise, Brexit und Börsenfusion“.

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Zu diesen Themen sprach er sehr bedacht, denn die Börsenaufsicht gehört zum Hesseisschen Wirtschaftsministerium. Und man hätte ja erlebt, dass öffentliche Äußerungen wie von Minister Gabriel zu Edeka und Tengelmann zu Klagen führen können.

Frankfurt am Main ist der größte Finanzplatz der EU – ohne UK. Es laufen Verhandlungen mit „Kleineren und Größeren“, so Al-Wazir. Wirkungen im Arbeitsmarkt?

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Junge Menschen brauchen unser wertvollstes Gut: Zeit. Zuwendung. Ungeteilte Aufmerksamkeit!

Gepostet am 23. August 2016 in Blog, Ideen, Meine Meinung, on Tour

Junge Menschen brauchen unser wertvollstes Gut: Zeit. Zuwendung. Ungeteilte Aufmerksamkeit!

Am Freitag war ich in Belitz, Mecklenburg, südöstlich von Rostock. Dort traf ich über 30 engagierte Menschen Anfang 20, die das Kindercamp POWER ON veranstaltet haben. 83 Kinder und 33 junge Erwachsene aus Mecklenburg wohnten eine Woche lang in Zelten im Garten des Pfarrhauses. Sie tollten herum, sangen, spielten, kochten zusammen, Nachbarn brachten selbst gebackenen Kuchen. Sie feierten Andachten in der Belitzer Kirche, probten Tanz-Choreografien und das Musical vom ‚Barmherzigen Samariter‘. Das neu gebaute Baumhaus ist riesig.

Baumhaus

Die Veranstalter waren eine Woche lang rund um die Uhr für die Kinder da. Erreichbar. Ansprechbar. Nahbar und umarmbar. Keine Ablenkung. Volle Aufmerksamkeit für die Kinder. Zum Gala-Abend mit Tanz, Musical, Kinder-Moderatoren und Filmen kamen hunderte Erwachsene aus der ganzen Region um Belitz und Teterow.

Gala_hunderte_Menschen KinderCamp

Die Liebe, die die jungen POWER ON-TeamerInnen verschenkt haben, und die heitere Reife, die sie ausstrahlen, haben mich tief berührt. Der Frieden auf der Obstwiese in Belitz war eine wunderbare Erfahrung. Meine höchste Anerkennung für das, was diese jungen Menschen für Kinder aus Mecklenburg auf die Beine stellen. Die Welt braucht mehr solche Oasen.

1.077.687 Schüler ohne Schulabschluss

Oft höre ich in Seminaren und Vorträgen von Arbeitgebern die alte Leier: „Der Werteverfall ist dramatisch. Azubis sind unzuverlässig. Keiner strengt sich mehr an. Hauptschüler haben das Niveau von Sonderschülern.“ Und noch dramatischer sind die 1.077.687 Schüler, die seit 1999 in Deutschland keinen Schulabschluss geschafft haben. Ich will faule, unmotivierte Schüler nicht in Schutz nehmen. Schüler, die bereits in der siebten Klasse abschalten: „Ich hänge hier noch drei Jahre ab, dann bin ich fertig.“ haben den schwerwiegenden Irrglauben, mit 16 oder 18 Jahren fertig zu sein. Allerdings suggeriert „Abschluss“ dies. Wer hat das Wort „Schulabschluss“ erfunden? Erwachsene! Kann man bei 1.077.687 Schülern ohne Schulabschluss den Fehler nur beim Einzelnen suchen? Bei 1.077.687 einzelnen Schülern? Hand aufs Herz: Ist das nicht eher ein systemischer Fehler und ein Versagen des Schulsystems? Ist das wirklich die Verantwortung der Schüler?

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Liegt es am Fachkräftemangel oder am beschränkten Suchfeld? 44 Fragen

Gepostet am 6. April 2016 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung, on Tour

Dienstag in Hannover. Ich leite einen Workshop zur Fachkräftegewinnung mit gestandenen Unternehmerinnen und Unternehmern im Einzelhandel. Es geht ihnen wirtschaftlich richtig gut. Sie machen Millionen Euro Umsatz und beschäftigen hunderte Mitarbeiter. Sie arbeiten hart für ihren Erfolg. Und sie verbindet ein Problem: Fachkräfte kommen nicht mehr in Scharen. Die Berge von Bewerbungen sind nur noch eine verblassende Erinnerung an die ‚guten alten Zeiten‘. Ich komme schnell zur Sache: „Wer Fachkräftemangel hat, ist selbst schuld. Wer nur das macht, was alle machen – zum Beispiel langweilige Stellenanzeigen – bekommt auch nur die, die alle bekommen. Was machen Sie anders? Wie unterscheiden Sie sich? Sind Sie für Bewerber magnetisch?

In die angeregte Diskussion mischt sich ein kritischer Ton: „Herr Gaedt, haben Sie schon mal im Einzelhandel gearbeitet?“ „Nein.“ Seine Miene verfinstert sich. Was kann der uns beibringen? Trockene Theorie ohne jeden Praxisbezug. Der Ärger spricht aus seinem Gesicht. Was soll dabei herauskommen? Seine Skepsis wächst. Und das zeigt er mir auch deutlich. Ich verteilte unkommentiert meine 44 Fragen an die Personalgewinnung:

  1. Glauben Sie wirklich, jährlich gehen Milliarden Euro verloren?
    Warum steht seit 30 Jahren Fachkräftemangel in den Medien und dennoch passiert nichts?
    Wer hat ein Interesse daran?
  2. Ist wirklich jede vierte Stelle unbesetzt?
    Warum nimmt der VDI die Anzahl offener Stellen mal sieben (bis 2014) und jetzt mal fünf, aber jeden arbeitslosen Ingenieur nur mal eins?
    Muss der VDI so tricksen, weil es keinen Fachkräftemangel gibt?
  3. Wer hat gegen demografischen Wandel vorgesorgt?
    Haben Sie Bewerber schon einmal ausgewählt, bevor eine Bewerbung kam?
    Wie haben Sie das gemacht?
  4. Haben Sie Bewerber schon einmal überrascht?
    Zum Beispiel mit Handys?
    Oder mit Heavy-Metal-WACKEN-Tickets?
    Oder indem Sie bei Rechnungen drei Cent zu viel überwiesen haben?
  5. Liegt ENGpass an ENGstirnigkeit?
    Schauen Sie auch links und rechts vom Mainstream nach Bewerbern?
  6. Haben Sie Bewerber schon einmal aktiv angesprochen?
    Wie haben Sie das gemacht?
    Wo haben Sie Bewerber angesprochen?
    Wie oft haben Sie Bewerber aktiv angesprochen?
    Wen haben Sie angesprochen? Anfänger? Fortgeschrittene?
  7. Tappen Sie in die Floskel-Falle der Stellenanzeigen?
    Was heißt Teamgeist? „Alle entscheiden“ oder „Einer spricht, alle nicken“?
  8. Würden Sie ein laaangweiliges Buch verschenken?
    Erwarten Sie hochmotivierte Kandidaten auf laaangweilige, standardisierte Stellenanzeigen? Schizophren?
  9. Es existieren inflationäre 2.500 Stellenbörsen.
    Warum sind Einstellungen über Stellenanzeigen bei Hochqualifizierten von 60 % auf 34 % eingebrochen?
  10. Was machen die anderen 66 % der Bewerber?
    Wo finden Sie die Mehrheit?
  11. Wissen Sie, wer sich nicht bei Ihnen bewirbt?
    Verstehen Sie, warum diese Frage relevant ist?
  12. Wie viele der 43 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer suchen aktiv?
    Wie viele suchen passiv?
  13. Wie viele der 43 Millionen haben sich schon einmal bei Ihnen beworben?
    Und warum haben es die anderen nicht getan?
  14. Wie viele der über 500.000 Schulabgänger, die eine Lehre machen, bewerben sich bei Ihnen?
    Wie viele nicht?
    Und warum nicht?
  15. Nutzen Sie die 25 Prozent (Durchschnitt) bis 48 Prozent Studienabbrecher als Azubis?
  16. Wie gehen Sie mit Bewerbern um?
    Sagen Sie „Hau bloß ab!“?
    Herrscht eine Willkommenskultur oder eine Willkommensunkultur?
    Haben Sie sich inkognito in Ihrem eigenen Unternehmen beworben?
    Haben Sie sich dabei willkommen gefühlt?
  17. Wer sagt, dass Azubis jung sein müssen?
    ING-DiBa bildet 50-Jährige aus.
    Warum tun Sie es nicht?
  18. Was passiert mit einer Million Menschen ohne Schulabschluss seit 1999?
    Wer kopiert „Chance Plus“ der Deutschen Bahn?
    Nutzen Sie Mentoring?
    Kennen Sie Schülerpaten, Rock Your Life, Chancenwerk oder Joblinge?
  19. Was passiert mit Menschen „Ü50“?
    Warum berichten gestandene Männer und Frauen, dass es ab einem Alter von 45 Jahren immer schwieriger wird, überhaupt mal ins Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden?
    Warum leisten wir uns Altersdiskriminierung?
    Wäre ein Hoch auf Erfahrung und Weisheit nicht angemessener?
  20. Wissen wandert aus!
    Warum? Weil alle nach Berlin, Hamburg, München oder Köln wollen? NEIN!
    Warum bleiben nur 40% in der Region? Sie sagen „Hier gibt`s ja nichts.“
    70% wollen aber bleiben! Jedoch brauchen sie Jobangebote, solange sie vor Ort sind.
  21. Warum bieten Hochschulen zu 75%-85% befristete Verträge?
    Haben Sie gezielt Mitarbeiter mit befristeten Verträgen angesprochen?
    Warum gehen Top-Akademiker ins Ausland?
  22. Warum bekommen 3,5 Millionen Firmen immer weniger Bewerbungen?
    Dafür 14.400 Unternehmen immer mehr! Eine einzige Firma bekommt konkret 250.000 Bewerbungen auf 1.400 Stellen?
    Sind 248.600 Absagen für eine einzige Firma sinnvoll?
  23. Warum sind 99 % der Unternehmen unsichtbar?
    Wie viele Firmen kennen Sie?
    Und wie viele davon kennen Sie richtig gut?
    Wie viele kennen sie „von innen“, also so gut, dass sie wissen, welche Berufe dort gebraucht werden?
  24. Ist Ihr Unternehmen sichtbar, erlebbar, spürbar – oder unsichtbar?
    Wo ist es sichtbar?
    Wie ist es sichtbar?
    Wer kennt Sie und kann Sie empfehlen?
    Wer würde Sie empfehlen?
    Kunden? Mitarbeiter? Wer noch?
  25. Nutzen Sie Mitarbeiter-Empfehlung, z. B. per App und mit Anreizen?
    Kennen Sie Firstbird.eu?
  26. Warum sind Jobsuche und Berufswahl nicht so spannend und ein Kult wie die ‚Drei ???‘?
  27. Warum ist sich bewerben nicht so geil wie die Lieblingsmusik?
    Warum werben Sie nicht mit WACKEN oder dem Elektroclub Berghain in Berlin?
  28. Warum sind Berufswahl und Jobsuche negativ belegt?
    Warum stöhnt jeder bei der Jobsuche?
    Kommen Bewerber aus Bewerbungsgesprächen bei Ihnen und jubeln: „Das war inspirierend. Da will ich ab jetzt jeden Tag hin!“?
    Wie wäre es mit einem Bewerbungsgespräch im Kino? Oder im Café? Oder im Museum?
  29. Warum verarschen wir 900.000 Schüler pro Jahr im BIZ?
    Warum ist „Gärtner“ auf Platz 1 aller Empfehlungen?
    Die Stiftung Warentest schreibt 2007: „Berater müssen nachsitzen“ und verteilt schlechte 
Noten für mangelhafte Beratung! Wurde irgendetwas geändert? Nein. Es wurden Milliarden an Steuergeldern verschwendet!
  30. Sind Sie ein Magnet?
    Kennen Sie Meßdorf? Oder die Altmark? Azubis aus Essen und Bremen gehen dort hin!
    Warum gehen sie nach Meßdorf zum Lohnunternehmer in der Landwirtschaft? Können Sie so magnetisch sein?
  31. Was machen Sie anders im Recruiting und im Bewerbungsverfahren als alle anderen?
    Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal in der Personalgewinnung?
    Oder machen Sie das, was alle machen und bekommen das, was alle bekommen?
  32. Welche Ideen und Experimente führen Sie durch?
    Nutzen Sie ungewöhnliche Zutaten?
    Was übertragen Sie vom Produkt-Marketing aufs Recruiting?
    Ist Ihnen die Aufmerksamkeit sicher?
  33. Wie erreichen Sie die, die sich nicht bei Ihnen bewerben?
    Zum Beispiel passive Wechselwillige?
    Und die, die Sie nicht kennen?
    Und die, die keine Stellenanzeigen mehr lesen?
  34. Schreiben Sie 08/15-Antworten an Bewerber?
    Lassen Sie die Bewerber 4 Wochen auf eine Antwort warten?
    Wie kann es sein, dass 40% aller Bewerbungen ganz ohne Antwort bleiben? Noch krasser: Wieso werden von 100 Bewerbungen nur vier beantwortet?
  35. Hat einer Ihrer Bewerber Lücken im Lebenslauf?
    Nehmen Sie Quereinsteiger? Ehemalige Knastinsassen? Querdenker? Regelbrecher?
  36. Besetzen Sie Vollzeitstellen mit zwei Kandidaten?
    Betreiben Sie Jobsharing?
    Kennen Sie tandemploy.com?
  37. Sind Sie bereit, englischsprachige Mitarbeiter einzustellen?
  38. Sortiert Ihr Bewerber-Managementsystem systematisch interessante Persönlichkeiten aus?
  39. Können Sie sich Olympia nur mit Goldmedaillen vorstellen?
    Warum gibt es keine Silber- und Bronze-Positionen im Bewerbungsverfahren?
    Gold oder Absage!
  40. Warum bekommen die meisten guten Bewerber Absagen?
    Warum hören gute Bewerber „Hau ab!“?
    Warum verschwenden Sie erfahrene Fachkräfte, Absolventen und Azubis, indem Sie der engsten Auswahl Absagen schicken?
  41. Warum lassen Sie gute Bewerber schlecht über Ihre Firma reden?
    Warum verbrennen Sie teuer bezahltes Image? Was könnte Top-Kandidaten trotz Absage positiv überraschen?
  42. Warum wird im Einkauf kooperiert?
    Warum kooperieren Sie im Recruiting nicht?
    Mit wem werden Sie zukünftig im Recruiting kooperieren?
    Wie können sich viele KMU zusammentun?
  43. Sind Sie bereit, anderen Unternehmen gute Bewerber in Kooperation zu empfehlen?
    Oder sehen Sie nur die Konkurrenz?
    Wollen Sie zukünftig Ihre Recruiting-Kosten refinanzieren?
  44. Welche Recruiting-Blogs lesen Sie?
    Was inspiriert Sie?
    Wie bleiben Sie auf dem Laufenden?
    Wie werden Sie Vorreiter?
    Warum haben Sie sich diese Fragen noch nie gestellt?

Mein schärfster Kritiker in dieser Gruppe sagte zunächst gar nichts, aber sein Gesicht entspannte sich schon beim Lesen. Seine Augen wurden freundlich, der Ärger wandelte sich in Erstaunen. Er hatte sich diese Fragen noch nie gestellt.

Meine 44 Fragen erweiterten seinen Horizont. Erwartet hatte er „So schreiben Sie Stellenanzeigen im Einzelhandel.“ Ich stellte den Sinn von Stellenanzeigen grundsätzlich in Frage. Ich erweiterte seinen Horizont um ‚Silber- und Bronze-Medaillen‘ für Bewerber, Mentoring, Jobsharing, Mitarbeiter-Empfehlung und Sharing Recruiting. Seine Vorstellungskraft übersprang mehrere Tellerränder auf einmal. Der Staub auf seinen Synapsen zur Personalgewinnung wurde aufgewirbelt. Denn plötzlich – nach nur 44 Fragen – war nichts mehr wie vorher. Der Skeptiker empfahl mich sogar seinem Vorstand.

Was war passiert? Die Fragen öffneten den Horizont. Speziell bei dem Mann, der gedacht hatte, bereits alles zu wissen, war das Erstaunen am größten. Die Fragen zeigten allen Teilnehmern Suchwege, an die sie noch nie gedacht hatten. Weniger Bewerbungen wurde zuvor immer gleichgesetzt mit weniger Bewerbern im Markt. Also Fachkräftemangel. Nun ging für sie der Vorhang auf. Sie sahen einen ganz neuen Film. Die Welt da draußen ist viel größer, bunter und reichhaltiger. Sie merkten selbst, dass sie antiquierten Suchwegen nutzen. Die Fragen brachten die Selbsterkenntnis, dass ihr Wissen über Personalgewinnung hoffnungslos veraltet ist. Wer nicht fragt bleibt dumm und stehen.

Der Einzelhandel sucht händeringend FachverkäuferInnen für die Fleischtheken. Es gibt immer weniger gelernte Fleischer, sagen die Fachleute. In einer kleinen, stehengebliebenen Welt ist das dann ganz offensichtlich DER Fachkräftemangel. Oder? Vordergründig ja. Aber gibt es deshalb zu wenig Potenziale? Wo könnte man suchen? Wer bringt Interesse für Lebensmittel und die Suche nach einem Job mit? 50 Prozent der Koch-Azubis brechen die Lehre ab. Potenziale ohne Ende. Stellen Sie sich vor, Sie kämen als junger Mensch ins harte Klima einer Großküche. Das ist selbst für Erwachsene schwer zu ertragen. Hinzu kommen lange Arbeitszeiten – auch dann, wenn die Freunde Freizeit genießen. Darauf ist niemand vorbereitet, der eine Lehre beginnt.

Wer Koch lernt, ist an Lebensmitteln interessiert. Wer die Lehre abbricht, könnte weiterhin an Lebensmitteln interessiert sein. Wer FachverkäuferInnen für die Fleischtheken sucht, könnte gezielt Koch-Azubis suchen, die gerade frustriert ihre Lehre abgebrochen haben. Ein Abbruch macht keinen Spaß. Das ist ärgerlich für alle Beteiligten. Wenn in diesem Moment das Angebot käme, ‚möchtest du bei uns eine Lehre zum Fleischer oder Fachverkäufer machen‘, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Azubi zusagt? 40 oder sogar 80 Prozent? Fast immer ein Volltreffer. Und der Azubi freut sich, eine Lehre beenden zu können mit besseren Arbeitszeiten und in einem angenehmen Arbeitsklima.

Fachkräftemangel oder Suchradiusmangel? Zu eng gesetzte Filter im Suchradar? Oder war die Lösung jetzt zu schwer? Die größte Hürde sind die nicht gestellten Fragen. Ohne neue Fragen kommen keine neuen Antworten. Wo könnte man suchen? Wer bringt das Interesse für Lebensmittel und die Suche nach einem Job mit? Liegt es am Fachkräftemangel oder am beschränkten Suchfeld? 

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Wissen Sie, wer sich NICHT bei Ihnen bewirbt?

Gepostet am 2. Februar 2015 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung, on Tour

Wissen Sie, wer sich NICHT bei Ihnen bewirbt?

01.01.2015. Mir stockte der Atem. Schon wieder das Buzzword „Fachkräftemangel dramatisch„. „Oh, nein“, dachte ich „geht 2015 einfach genauso weiter wie 2014?“ Dabei ist es doch so „eindeutig: Der Fachkräftemangel ist ein Mythos!„. Wer „Fachkräftemangel“ propagiert, sucht ein Alibi für langweiliges Recruiting. Oder wie t3n-Leser kommentieren: „nicht Fachkräftemangel wird beklagt, sondern Mangel an _billigen_ Fachkräften„, häufig gepaart mit der Arroganz: „Sie bekommen doch sonst keinen Job mehr. Sie sind doch schon 60!“ Die Altersdiskriminierung im Arbeitsmarkt war für mich die schlimmste Erkenntnis 2014.

2014 führte mich mein MYTHOS nach Lingen, Oberberg, Leipzig, Hamburg, München, Frankfurt/Main, Ahrweiler, Heilbronn, Wiesbaden, Rostock, Altötting, Kiel, Bremen, Neubrandenburg, Hannover, Blankenburg, Magdeburg, Dessau, Stendal, Merseburg, Wilhelmshaven, Wildeshausen, Simmern, Jena, Nürnberg, Deggendorf, Stuttgart, Lüneburg, Cottbus, Osterwiek, Osnabrück, Weiden, Freyung, Nienburg, Blaufelden, Mainz, Höhr-Grenzhausen, Wolpertshausen und ab und zu auch nach Berlin.

Es gab viel Zustimmung und genauso viel Ablehnung und Widerspruch.

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Dann geht er ja zur Konkurrenz… ACHTUNG! Eilmeldung! Exklusiv ein Geheimnis

Gepostet am 10. Juni 2014 in Blog, Mehrwert, Meine Meinung, on Tour

Dann geht er ja zur Konkurrenz… ACHTUNG! Eilmeldung! Exklusiv ein Geheimnis

Fachkräftemangel hausgemacht – laut Nationalem Bildungsbericht bilden viele Betriebe in Kernberufen seit Jahren zu wenig aus. Ist irgendjemand überrascht? Nein. Leider nein. 17 Prozent der 30- bis 34-jährigen Frauen und Männer in Deutschland haben keinen Berufsabschluss. Seit 1999 haben eine Million Schüler die Schule ohne Abschluss abgebrochen. 

Fachkräftemangel jammern ist opportun. Dabei sieht keiner die massenhafte Verschwendung von Bewerbern, an der sich ALLE Unternehmen tagtäglich beteiligen – durch Absagen. Die Mehrzahl GUTER Bewerber bekommt Absagen.

Sinnvoll? Nein. Wirtschaftlich? Nein. Gewohnheit? Ja!

Fast ALLE, die sich bereits im Bewerbungsverfahren qualifiziert haben, bekommen Absagen. Alle Bewerber in der engeren Wahl – außer eine Personen. Für Silber- und Bronze-Kandidaten gibt es Absagen statt Medaillen. Gold oder gar nichts.

Weg. Weg. weg.

Dabei könnte ein Drittel aller Unternehmen zwei Drittel der Betriebe mit Top-Kandidaten versorgen. Eine Empfehlung im Unternehmensnetzwerk ist die EINFACHE Lösung. Datenschutzrechtlich korrekt.

„Aber dann geht der Bewerber ja zu Konkurrenz.“, ist der meistgenannte Einwand gegen Recruiting in Kooperation.

Ein IHK-Präsidenten, selbst erfolgreicher Unternehmer, brüllte öffentlich: „Eher hake ich mir die Hände ab als dass ich Bewerber empfehle.“ Nachzulesen in „Mythos Fachkräftemangel“ Seite 181. Diese Einstellung bringt auf den Punkt, was Unternehmer und Personalverantwortliche denken.

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„Gaedt teilt gern und großzügig aus. Provozieren, um Debatten anzustoßen, lautet das Motto.“

Gepostet am 3. Juni 2014 in Blog, Hintergrundgeschichten, Meine Meinung, on Tour, Resonanz

„Gaedt teilt gern und großzügig aus. Provozieren, um Debatten anzustoßen, lautet das Motto.“

Ein Kapitel in meinem Buch Mythos Fachkräftemangel heißt „Agentur für Arbeitslosigkeit“. Im März, direkt nach Erscheinen meines Buches, lud mich die mutigste Agentur für Arbeit nach Kiel ein, damit ich beim „Business Talk“ am 19.05.2014 den Mythos Fachkräftemangel zur Diskussion stelle. Nichts lieber als das. Die Vorbereitungen der Agentur in Kiel waren extrem professionell, Absprachen klappten hervorragend. Die Raumgestaltung vor Ort war liebevoll, die Atmosphäre offen und herzlich.

Wären alle Angebote dieses großen unflexiblen Kolosses mit 108.000 Mitarbeitern so gut, wertschätzend und professionell wie dieser Abend in Kiel, dann würden alle die Agentur für Arbeit in höchsten Tönen loben. Das halte ich für ein erstrebenswertes Ziel, auch wenn es noch ein weiter Weg dahin ist.

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